Subvision: Neues Festival in der HafenCity

Kunst, Pop, Literatur - die Off-Szene im Containerpark

Foto: subvision festival

In Sichtweite zur Elbphilharmonie wird jetzt Hamburgs Mini-Documenta aufgebaut. Ein Wunderland für Kunst-Entdecker.

Hamburg. Bitte Platz nehmen, hinsetzen und genießen. Links die Unilever-Baustelle, rechts die Magellan-Terrassen und direkt vor den Augen Hamburgs jüngste Baustelle - das ist das subvision-Gelände in der HafenCity auf dem Strandkai. Wer Glück hat, dem wird noch ein filmreifer Sonnenuntergang den Ausblick auf das Gelände versüßen. Alles steht hier voller Container. Rote, grüne und blaue. Dazwischen Türme, umhüllt von weißer Gaze. Man selbst sitzt etwas abseits, aber erhöht in einem dieser modernen Transportkästen. Weich auf original Gelsenkirchener Barock gebettet liegt einem die temporäre Stadt zu Füßen, in der ab morgen Abend für zwei Wochen internationale Kunst ausgestellt ist.

Was nur die halbe Wahrheit ist. Denn subvision ist keine Ausstellung, subvision ist ein Festival mit Kunst, Lesungen, Konzerten und Künstlern, die im weitesten Sinne Kriterien erfüllen, die das Wort "off" umschreiben. Die Kunst hier will dem etablierten Kunstbetrieb sesshafte oder nomadische Alternativen aufzeigen.

Artist-run-spaces, zu Deutsch Ausstellungsräume, die von Künstlern für Künstler betrieben werden, bevölkern den Großteil der Containerstadt. Optisch gleicht sie einer Mischung aus Manhattan-Grundriss und Lars von Triers Dockville-Filmbühne.

Da ist Para/Site Art Space aus Hongkong. Die 1996 gegründete Gruppe hat es in Asien zu Ruhm gebracht. In Hamburg präsentiert sie ein Hongkong-Videoprogramm, das sich mit Geschichte, Politik und Architektur der einstigen britischen Kronkolonie auseinandersetzt. Zwei weitere Ausstellungen, eine von Kacey Wong, Künstler mit unübersehbarem Hang zur Wolkenkratzer-Architektur, runden ihren Auftritt ab. Die zweite stammt von Jaffa Lam. Mit ihrer Arbeit "Public Cultural District?" wagt sie, eine künstlerische Parallele zwischen einem umstrittenen Stadtbauprojekt in Hongkong und der HafenCity aufzuzeigen. Aus ihrem leicht abschüssigen Container lugt ein gigantischer Papierflieger, zusammengebaut aus Werbebroschüren für das Hongkong-Projekt. Ist das Absturz oder harte Landung auf dem Boden der Tatsachen? Immerhin hat der Container bei seinem Sturzflug einen Fallschirm, genäht aus etlichen ausgedienten Regenschirmen. Jaffa Lam liebt die Poesie und die Metapher des Fliegens in all ihren Facetten.

Wie die chinesische, so bespielen auch die anderen über 30 teilnehmenden freien Künstlergruppen aus 20 Ländern ihre eigenen Container und Ausstellungsfelder. Der hanseatische Eigenanteil mit insgesamt drei Initiativen ist überproportional groß. Aus St. Petersburg kommt "Chto delat/What is to be done?". Die Truppe mit dem berühmten Lenin-Zitat (Was tun?) im Namen hat ihre Container mit den Seiten ihres Magazins tapeziert. Innen beherbergen sie einen Leseraum und Kino mit Filmen, die über die desolate Situation russischer Künstler informieren. Aus Amsterdam haben sich die noch jungen Vereinigungen "De Service Garage + Parachutartists Foundation" angemeldet. Einer ihrer Container wird hydraulisch leicht bewegt, was in einem das ungute Gefühl aufkommen lässt, sich irgendwo in den klaustrophobischen Kabinen einer Schlepperbande aufzuhalten. Auch Kooperationen ereignen sich auf den subvison-Feldern. Die polnische Truppe F.A.I.T. lud "umschichten" aus Stuttgart ein. Zusammen errichteten sie eine Villa mit Pool und Schlafzimmer, exklusiv, aber offen - ein ambivalentes Spiel mit der Aufhebung von in und out, on und off.

Initiiert wurde subvision von HFBK-Präsident Martin Köttering. Das Festival kuratiert hat Brigitte Kölle. Aus 500 Bewerbungen traf sie die End-Auswahl, was "schwer war", aber "jede einzelne Wahl" lasse sich genau begründen. Brigitte Kölle legt Wert darauf, dass subvision eine Mehrzahl an Ausstellungen, nicht eine einzige Schau ist. Vor allem aber darauf, dass über die ganze Zeit die Künstler da sind: "Kommunikation mit den Künstlern" ist wichtiger Bestandteil des Festivals. Der Eintritt ist im Übrigen frei.

Zur Eröffnung morgen (19 Uhr) im eigens errichteten Veranstaltungspavillon haben sich zahlreiche Gäste angekündigt. Mit dabei auch das Graffiti Research Lab Vienna, das per Laser und in bester Hacker-Tradition großflächige Botschaften auf das benachbarte Gebäude in der HafenCity projizieren wird. Dazu gibt's Feuerwerk von i-cabin aus London, Finn Johannsen präsentiert sein DJ Set.

Subvision: Alle weitere Veranstaltungen, Lesungen, Vorträge, Konzerte unter www.subvision-hamburg.com . 26.8. bis 6.9., Festivalgelände Strandkai, bei den Magellan-Terrassen, So-Do 14-22, Fr, Sa 14-24 Uhr

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.