Bekenntnisse des Chefs der Deutschen Bank

"Ja, ich trage eine Mitschuld"

Der Dokumentarist Stephan Lamby befragt Politiker und Banker nach ihrer eigenen Rolle in der Wirtschaftskrise.

Dokumentation: Retter in Not. 21.45 Uhr ARD

Der Sprecher von Josef Ackermann hält die Luft an. Das hatte er von dem Chef der Deutschen Bank noch nie gehört. Es ist das Schuldeingeständnis eines der wichtigsten Wirtschaftsmanager Deutschlands. Auf die Frage nach den Ursachen der Krise antwortet Ackermann: "Ich habe geglaubt, dass gewisse stabilisierende Elemente immer wirken. (...) Aufgrund dieser Annahme hat man Positionen aufgebaut, die sich im Nachhinein als zu groß erwiesen haben. Insofern: Selbstverständlich habe ich auch eine Mitschuld." Josef Ackermann, ein "Retter in Not". Genau wie der oberste Bankenaufseher, BaFin-Chef Jochen Sanio, wie Bundesbankpräsident Axel Weber, Finanzminister Peer Steinbrück, der alte und der neue Wirtschaftsminister, Michael Glos und Karl-Theodor zu Guttenberg. All diese Männer setzen sich in der Dokumentation von Stephan Lamby zur aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise mit ihrer Rolle auseinander - und bekennen sich überraschenderweise (mit-)schuldig. "Ich hatte den Eindruck, sie nutzen den Film, um sich zu entlasten", sagt der erfahrene Dokumentarist. "Sie platzen mit ihren Bekenntnissen nur so raus." Mit einer Ausnahme. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die rumdruckst und dann so was sagt wie "die Ursachen liegen im angelsächsischen Bereich".

Es bedarf viel Fingerspitzengefühls, noch mehr Ausdauer und nicht zuletzt auch eines gewissen Renommees, um den Mächtigen erstaunlich offene Sätze zu entlocken. Zu den Spezialisten in diesem Genre gehört der Hamburger Lamby, der sich mit Porträts über Angela Merkel, Helmut Kohl, Henry Kissinger, Oliver Stone einen guten Namen erarbeitet hat. Ebenso mit kenntnisreichen Dokumentationen aus dem Wirtschaftsleben. "Retter in Not" ist bereits der dritte Film über die aktuelle Lage, vorausgegangen waren zwei Dokumentationen über die Verursacher ("Der große Rausch - Ein Investmentbanker packt aus") und die Auswirkungen ("Kampf um Opel - Leben oder sterben lassen?").

Jetzt also sollte es um die Bewältigung der Krise, um die Krisenmanager gehen. "Eine wichtige Frage bei den Vorgesprächen mit dem NDR war: Wer ist das Personal des Films?", erinnert sich Lamby. Da traf es sich gut, dass Lamby seit seinem Porträt über Angela Merkel einen guten Draht ins Kanzleramt und zu der Politikerin hat. Axel Weber wollte nur mitmachen, wenn Ackermann dabei ist - und umgekehrt. Lamby kontaktierte Pressesprecher, telefonierte, mailte, reiste. Fest vereinbarte Termine wurden kurzfristig abgesagt (zu Guttenberg: "Wenn Sie darauf bestehen, kann ich nicht mit dem Fiat-Chef sprechen."). Lamby und sein Team waren immer auf Abruf: "Unser Zeitplan war eng gekoppelt an den Zeitplan unserer Gesprächspartner." Am Ende zahlten sich - wie immer - die vertrauensbildenden Maßnahmen aus: "Bei Steinbrück durften wir selbst bei internen Sitzungen inhaltlich drehen. Auch in den Bürotrakts der Banker. Und zu Guttenberg interviewte ich im Auto - ohne seinen Pressesprecher, was sehr ungewöhnlich ist."

Eine Langfassung (45 Minuten) von "Retter in Not" zeigt das NDR Fernsehen am Montag, 6. Juli um 23.00 Uhr.