Kunstprojekt zum Tag der Deutschen Einheit

Bremer Agentur will die Mauer wieder aufbauen

2010 richtet die Hansestadt die Feierlichkeiten zum 20. Jubiläum der Wiedervereinigung aus. Die „Bremer Mauer" könnte dabei Raum für Kreativität schaffen.

Bremen. Offizielle Feierlichkeiten findet Erik Wankerl ziemlich langweilig. Deshalb hat sich der Kreativdirektor der Bremer Agentur Red Pepper etwas ganz Besonderes ausgedacht, wenn Bremen im kommenden Jahr die Feierlichkeiten zum 20. Jubiläum der Wiedervereinigung ausrichtet. Wankerl will die Mauer wieder aufbauen. Eine „Bremer Mauer“, wie er sie nennt. Diese soll aus 3,40 Meter hohen, im Wind frei beweglichen Leinwandstücken bestehen und an 28 Tagen vor dem Tag der Deutschen Einheit auf dem Marktplatz und dem Domshof stehen. Wankerl will damit Raum für Kreativität schaffen.

Die Leinwandstücke werden durch Betonblöcke verbunden. Info-Tafeln sollen sich mit den Ereignissen aus 28 Jahren Mauergeschichte Ost und West beschäftigen. „Auf der Westseite war die Mauer ja eine dynamische Plattform für Graffiti-Kunst und Protest“, sagt der Kreativdirektor und Diplom-Künstler. Die „Bremer Mauer“ solle sich wie die echte Mauer künstlerisch entwickeln.

Möglich seien beispielsweise Lichtprojektionen, Fotografie, Performancekunst oder Podiumsdiskussionen auf beiden Seiten der Leinwand. „Viele haben die echte Mauer ja nie gesehen, so wie ich zum Beispiel“, sagt Wankerl. Die Installation solle deshalb das Gefühl der Trennung vermitteln, jedoch auf „sanfte Weise“. Das bewegliche Material ermögliche „einen spielerischen und kunstvollen Umgang mit dieser harten geschichtlichen Tatsache“, sagt der Kreativdirektor.

Vorerst hat Wankerl das Kunstprojekt virtuell ins Rollen gebracht. Auf einer eigens eingerichteten Website können Kreative ihre Ideen für die Gestaltung der Leinwandstücke im Internet veröffentlichen. Regisseur und Kulturmanager Oliver Behnecke hat das getan und unter anderem Tischgespräche vorgeschlagen. „Ich stelle mir das so vor, dass an „umgestürzten Mauerstücken“ Tische aufgestellt werden, an denen die Besucher Gespräche mit Zeitzeugen führen können“, sagt Behnecke.

Für den 1971 geborenen Regisseur ist die Idee des „visuellen Wiederaufbaus und des wieder Einreißens inspirierend.“ Die „Bremer Mauer“ sei nicht einfach nur eine Ausstellungsfläche. Sie nehme erst durch aktive Bürger und Künstler Gestalt an. „Die Wende sei schließlich auch von den Bürgern gemacht worden“, sagt Behnecke. Entlang der vorgegebenen Mauerlinie könne Theater gespielt und Musik gemacht werden. Auch die Gastronomie passe mit einem Angebot von Ost- und Westspezialitäten dazu.

Bei Wankerl kommen Behneckes Ideen gut an: „Ich finde sie sehr ausbaufähig“. Er selbst habe vorgeschlagen, ein Leinwandstück mit verschiedenen Filmen zu bespielen, die zur gleichen Zeit im Westen und Osten gedreht wurden. Zudem gebe es auch schon eine Anregung für einen kritischen Beitrag. „Auf der Ost- und Westseite sollen Überwachungskameras installiert werden, die auf die Überwachung durch die Stasi und die neue Form der Überwachung durch das Innenministerium der heutigen BRD anspielen“, sagt Wankerl.

Der Kreativdirektor will in nächster Zeit gezielt auf Künstler und Kreative zugehen, um sie zum Mitmachen anzuregen. „Ehrlich gesagt, habe ich mir mehr Resonanz erhofft“, gibt er offen zu. Die Leute seien von dem Projekt begeistert. Viele Ideen seien aber noch nicht „hochgeladen“ worden. In einem nächsten Schritt gehe es dann darum, Details zu planen und zu prüfen, beispielsweise baurechtliche Angelegenheiten. „Der wichtigste Schritt wird allerdings sein, den Bremer Senat von unserem Konzept zu überzeugen“, sagt Wankerl.

Dieser hat sich erst teilweise mit den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit beschäftigt. „Wir sind erst in den Vorplanungen“, sagt Senatssprecher Hermann Kleen. Protokollarisch seien ein Gottesdienst, ein Staatsakt sowie ein Bürgerfest mit sogenannter Ländermeile vorgesehen, auf der sich jedes Bundesland vorstelle. Darüber hinaus gebe es immer noch ein Event wie das Drachenbootrennen in den vergangenen Jahren. „Wir müssen jetzt einfach mal schauen, in welche Richtung die Überlegungen gehen“, sagt Kleen.