In der kommenden Woche ist Deutschland-Start

Ron Howard hat Dan Browns Bestseller „Illuminati" verfilmt

Dan Browns „Illuminati" läuft kommende Woche in Deutschland an und soll an den Erfolg von „The Da Vinci Code - Sakrileg" anknüpfen.

Berlin. Diesmal schickt der Vatikan selbst Robert Langdon alias Tom Hanks ins Rennen. Galt der Harvard-Professor für Symbolkunde und Ikonographie im „The Da Vinci Code - Sakrileg“ noch als Kirchen-Kritiker, so soll er in „Illuminati“ mit seinen stupenden Deutungskünsten den Vatikan selbst vor dem Untergang bewahren. So zumindest will es die Verfilmung des gleichnamigen Roman-Bestsellers von Dan Brown, die kommende Woche in die deutschen Kinos kommt.

Regie führte wie beim „Da Vinci-Code“ US-Regisseur Ron Howard. Langdon hat es diesmal mit der angeblichen Fortexistenz des „Illuminatenordens“ zu tun. Die seit 1785 verbotene Geheimgesellschaft, der es um Aufklärung und wissenschaftlichen Fortschritt ging, will demnach Anfang des neuen Jahrtausends späte Rache an der Kirche üben. Damit ist das Grundmotiv der Verschwörungstheorie in „Illuminati“ gegeben: Die Behauptung einer jahrhundertealten ideologischen Feindschaft zwischen Kirche und Wissenschaft. Durchaus gekonnt stellt Howard zu Beginn die Welt von Religion und Mystik jener der Technik und Wissenschaft gegenüber. Während in Rom die Kardinäle nach dem plötzlichen Tod des Papstes zum Konklave zusammenkommen, wird im Europäischen Kernforschungszentrum Cern in Genf erstmals „Antimaterie“ produziert. Und wie es der Teufel will, werden nicht nur gleich die vier aussichtsreichsten Kardinäle bei der Papstwahl entführt, sondern auch die frisch gewonnene „Antimaterie“ aus Genf. An einen geheimen Ort im Vatikan verbracht, soll sie innerhalb von 24 Stunden den Kirchenstaat und halb Rom in einem Feuerball verschlingen. Den Kardinälen geht es schon vorher an den Kragen.

Damit ist das Grundmuster für eine spektakuläre Symbol-Schnitzeljagd gegeben. Langdon, einer Art Indiana Jones der Kunstgeschichte, gesellt sich dabei die Cern-Spezialistin für Antimaterie, Vittoria Vetra (Ayelet Zurer), bei. Doch bevor es auf die Fährtensuche geht, bombardieren beide den Zuschauer zunächst mit schier endlosen Informationen über Physik und Symbolik, so dass einem zwischen Dichtung und Wahrheit ganz schwindlig wird. Natürlich spielen auch Zahlen eine Rolle. Die vier Kardinäle stehen nicht nur für die vier Säulen der Kirche. Sie finden ihre Entsprechung in den vier Elementen, und an diesen sollen sie zugrunde gehen - falls Langdon nicht schneller kombiniert, als der Killer tötet.

Der Havard-Professor steht dabei trotz assoziativer Hochseilakrobatik für die kritische Vernunft. Ob in Galileos Werken oder in Schwertern und Pfeilen von Engelstatuen: überall wittert er die rechten Zeichen. So geht es in schwarzen Limousinen dem „Pfad der Erleuchtung“ nach, kreuz und quer durch die römische Altstadt: vom Pantheon nach Santa Maria del Popolo und zurück in den Vatikan, dann wieder nach Santa Maria della Vittoria und zum Vierströmebrunnen auf der Piazza Navona, stets auf der Suche nach den Papstkandidaten. Doch der eine erstickt an Erde, der andere verbrennt im Kirchenschiff, der dritte stirbt mit durchlöcherter Lunge. Nur den vierten kann der rasende Professor vor dem Ertrinken im Bernini-Brunnen retten.

Das ist alles schnell geschnitten und rasant verfilmt: Durch 700-Buchseiten hastet der Film in zwei Kinostunden. Dennoch werden sie sehr, sehr lang - nicht nur wegen der immer abstruseren Deutungen und Motive. Die Kardinäle sind alle nett und ziemlich betulich. Armin Müller-Stahl gibt einmal mehr den Weisen. Diesmal nicht als Konsul Buddenbrook sondern als Kardinal, der das Konklave leitet und den selbst Antimaterie nicht aus der Sixtina treiben kann. Am Ende bittet er altersmilde um Nachsicht, dass es eben überall menschelt, auch in den heiligen Hallen. Trotzdem bleibt der Film eigentümlich unterkühlt und oberflächlich, er verweilt bei niemandem und nirgendwo. Hans Zimmers dicker Klangteppich überdeckt vor allem logische wie dramaturgische Untiefen. Sogar beim Showdown mit einer galaktischen Explosion über dem Petersdom springt kein Funke über.