Aktuelle Kritik: Kampnagel

Royston Maldooms Tanzprojekt "Making a move"

| Lesedauer: 2 Minuten

Der Tanz und die Jobsuche ­ auf den ersten Blick zwei sehr unterschiedliche Bereiche. Was die beiden Aktivitäten dennoch miteinander verbindet und wie das eine beim anderen helfen kann, das offenbart erst der zweite Blick.

Nämlich der auf die Kampnagel-Bühne, wo am Wochenende (17.-19.10.) das Tanzprojekt "Making a move" inszeniert wurde. Der britische Choreograph Royston Maldoom hat mit 60 arbeitslosen Erwachsenen und Jugendlichen, die sich bei der Grone Netzwerk Hamburg GmbH in Weiterbildungsmaßnahmen befinden, ein Spektakel auf die Beine gestellt, das sich sehen lassen konnte. "Einen professionellen Rahmen mit Tänzern, die zwar keine professionelle Ausbildung haben, aber wunderbaren Ausdruck", hatte Maldoom seinem Publikum angekündigt - und nicht zuviel versprochen: Mal mit ernster Miene, mal entrückt, mal voller Begeisterung schwebten, rollten, krochen, rannten und tanzten die 60 Teilnehmer vor den begeisterten Zuschauern. Dass der eine oder andere Schritt nicht ganz synchron war, die eine oder andere Bewegung nicht exakt oder der eine oder andere Rücken nicht durchgedrückt, das störte keinen der vielen Freunde und Angehörigen im Publikum. Konnte sich doch jeder vorstellen, wieviel Mut und Selbstüberwindung es die Darsteller gekostet haben muss, sich nach wenigen Trainingsmonaten in emotionalen Posen auf der Bühne darzustellen. Und so waren es weder die mitreißende Musik, unter anderem von Charlie Chaplin, Chopin und Transmongolia, noch die professionelle Inszenierung von Royston Maldoom und seinen Kollegen Tamara McLorg und Josef Eder, noch die gelungenen Lichteffekte, die das Publikum am Ende zu Standing Ovations rührten, sondern vor allem die neugewonnene Zuversicht, die die "Making a move"-Teilnehmer ausstrahlten. Zuversicht und Selbstbewusstsein, Durchhaltevermögen und Zusammenhalt, all das hatten die Darsteller durch das Tanzprojekt offenbar mobilisiert und trainiert. Und sie haben erkannt, dass sie eine Rolle spielen und gebraucht werden - auf der Bühne wie in der Gesellschaft. So viele Parallelen hat das Tanzen mit der Jobsuche. (vlkf)