Anne Bennent spielt sich gesund

Hamburg. "Wo sie hinspuckt, blüht Poesie brut", schrieb einmal ein verzückter Kritiker über Anne Bennent. "Schön wärs", sagt sie. "Dann würd ich überall hinspucken." Das allerdings wäre im Augenblick eher ungünstig, die Schauspielerin ist erkältet. Und trotzdem nett zum Fotografen - obwohl der sie ganz unbarmherzig mit Schniefnase ablichtet. "Kann ich wenigstens ernst gucken?", bittet sie und muss dann darüber doch lächeln.

Sanft ist sie, sachlich und kein bisschen divenhaft. Vielleicht profitiert man davon, dass die Pressekollegen es meist gut meinten mit dem Bennent-Clan. "Den Familienkitsch bedienen wir wahrscheinlich auch", sagt Anne, die Schwester von David, die Tochter von Heinz und der einstigen Tänzerin Diane. Mit ihr wird Anne Bennent, die morgen mit dem Robert-Walser-Abend "Gwundrig (beinahe seltsam)" im Bergedorfer "Theater Haus im Park" zu sehen sein wird, heute am selben Ort ihr Chansonprogramm "Pour Maman" präsentieren. Dabei singt Maman gar nicht, sie sitzt bloß auf der Bühne und hört zu. Seit der Abend 1989 entstand. Fast wie die übrigen Zuschauer. Nur eben anders.

In Anne Bennents Leben war oft etwas anders. Keine staatliche Schule, stattdessen schon mit neun Jahren die Rolle eines Mädchens, das in den Wahnsinn getrieben wird, schon mit 16 Schnitzlers nackte "Lulu". Jetzt, als 39-Jährige, hat die Wahl-Wienerin einen kleinen Sohn und "Sehnsucht nach Sesshaftigkeit". - "Aber mich irgendwo installieren? Das hab ich nicht im Blut." Das Publikum freuts, denn (auch) so kommen Gastspiele zu Stande. Erkältung hin oder her: "Ich hab mich schon oft gesund gespielt."

Heute "Pour Maman", morgen "Gwundrig (beinahe seltsam)", jew. 20 Uhr im Theater Haus im Park.