Schauspielhaus: Schirmer bis 2015 als Intendant verlängert

Mehr Zeit, der großen Bühne ein Profil zu geben

Schwacher Start, jetzt erfolgreich: Ist Intendant Schirmer die beste oder die bequemste Lösung für Hamburg?

Hamburg. Friedrich Schirmer bleibt bis 2015 Intendant am Deutschen Schauspielhaus. Das teilte Kultursenatorin Karin von Welck gestern mit. Schirmer, der das größte deutsche Sprechtheater seit 2005 leitet, wäre dann zehn Jahre Intendant des Hauses. Eine derart lange Intendantenzeit hat es in der Geschichte des oft krisengeschüttelten Theaters erst ein Mal gegeben, unter Alfred Freiherr von Berger, von 1900 bis 1910.

Die Entscheidung des Aufsichtsrats sei einstimmig gefallen, so von Welck: "Ich freue mich für Hamburg über dieses Zeichen, die erfolgreich begonnene Arbeit fortzusetzen."

Dabei gilt die Arbeit, die Schirmer und sein Ensemble bisher am Deutschen Schauspielhaus gezeigt haben, nicht unbedingt als erfolgreich. Erst seit diesem Frühjahr zeigt sich, etwa mit "Pornographie", "Zigeunerjunge" oder den Aufführungen am Jungen Schauspielhaus, künstlerisch Herausragendes. Die laufende Spielzeit hat mit "Kabale und Liebe" und "Harper Regan" sehr gut begonnen. Zuvor hieß es, "es war, freundlich gesprochen, keine gute Spielzeit 2005/06, mit der sich Friedrich Schirmer als neuer Intendant am Deutschen Schauspielhaus eingeführt hat" ("Süddeutsche Zeitung"), "die künstlerische Talfahrt unter Schirmer hat einen Tiefpunkt erreicht" ("Welt am Sonntag") und "das Schauspielhaus zeigt nur noch Mittelmaß" (Abendblatt). Die Besucherzahlen des Theaters sind mit rund 160 000 Zuschauern im Großen Haus - nur hier misst sich der künstlerische Ruf des Theaters - nicht schlecht. Allerdings stellt man bei einem Blick auf den Spielplan erschrocken fest, dass es dort nur zehn Vorstellungen mit großen Inszenierungen in diesem Monat geben wird. Ansonsten: Konzerte, Laienproduktionen oder Schließtage.

Was erwartet die Zuschauer nun also in den kommenden Jahren am Schauspielhaus? Friedrich Schirmer sagte gestern: "Diese Vertragsverlängerung ist ein besonderer Moment, an den ich noch vor anderthalb Jahren nicht zu denken gewagt hätte. Ich will weiter an meiner Vision von einem strahlenden, erfolgreichen Schauspielhaus arbeiten." Klingt vielversprechend. Aber andere Kandidaten für den Intendantenposten mit ebensolchen Visionen hätte man sich auch vorstellen können. Von Welck wollte Schirmer ermöglichen, "über längere Zeit einer großen Bühne ein Profil zu geben". Von 2010 an wird die Leitungsebene um zwei Regisseure erweitert. Zu den Stammregisseuren am Haus werden Karin Henkel, Sebastian Nübling, Roger Vontobel und Dusan Parizek gehören. Die kommende Spielzeit wird Martin Kusej eröffnen.

2010/11 soll die Obermaschinerie erneuert werden, das Theater wird sich andernorts eine Bühne suchen. Seit dieser Spielzeit muss das Theater Tariferhöhungen von acht Prozent auffangen, ein Mehraufwand von einer Million Euro. Einen Großteil dessen wird wohl die Finanzbehörde übernehmen. All das klingt eher nach trockenem Theateralltag als nach künstlerischen Visionen. Auf die allerdings hoffen wir weiterhin.