Ein Leben für den Tanz: John Neumeier

John Neumeier wurde am 24. Februar 1942 als Sohn eines Kapitäns in Milwaukee (US Bundesstaat Wisconsin) geboren. Seine Tanzausbildung begann er mit Step und akrobatischem Tanz; von 1957 bis 1962 wurde er in Chicago in klassischem Ballett unterrichtet. Als Student bereits schuf er seine erste Choreografie zur Bankettszene in Hofmannsthals "Jedermann".

1962 kam Neumeier nach London an die Royal Ballet School und vervollkommnete sein Können bei Vera Volkova in Kopenhagen. 1963 wechselte er, entdeckt von Marcia Haydee und Ray Barra, als Tänzer an das Stuttgarter Ballett unter der Leitung von John Cranko, dem er die ersten wichtigen Inspirationen als Choreograf verdankt.

Bis 1969 tanzte Neumeier in Stuttgart und choreografierte für die Noverre-Gesellschaft kleinere Stücke, bevor er nach Frankfurt als jüngster Ballettdirektor Deutschlands wechselte. Hier entstanden seine ersten großen Choreografien "Der Feuervogel" (Musik Igor Strawinsky), "Romeo und Julia" (Musik Sergej Prokofjew), "Der Nussknacker" (Musik Peter Tschaikowsky) und "Daphnis und Chloe" (Musik Maurice Ravel). Ballette, mit denen er später die Herzen der Hamburger erobern sollte.

1973 hatte ihn der damalige Intendant der Hamburgischen Staatsoper, August Everding, als Ballettdirektor an die Elbe geholt, wo nach einer Phase der Entrüstung - Neumeier hatte es gewagt, 16 von Hamburgs geliebten Balletttänzern die Verträge nicht zu verlängern - die Zeit des "Wundermanns des Tanzes" anhob. Jung und Alt strömten in seine Ballett-Werkstätten und standen Schlange, um Karten für seine Ballett-Tage mit der abschließenden Nijinsky-Gala zu ergattern. Bis heute hat sich der Run auf dieses Ereignis gehalten, die Karten für die Galas sind bereits zu Beginn einer jeden Spielzeit ausverkauft.

Neumeier hat das Ballett ins Gerede gebracht, im wahrsten Sinn des Wortes, und er hat einer Sparte, die in Deutschland als letztes Rad im Getriebe eines Theaterbetriebes stand, zu ehrenvollem Ansehen verholfen. Mit Bachs "Matthäus-Passion" 1981, deren ersten Teil er als "Skizzen zur Matthäus-Passion" herausbrachte, schuf er eines seiner Signaturstücke, die rund um die Welt zu sehen waren.

Auch die Choreografie zur 3. Sinfonie von Gustav Mahler, die 1975 etnstand, zählt zu den Werken, mit denen er weltweiten Ruhm erlangte. Sechsmal hat John Neumeier seinen Vertrag verlängert, er ist Herr über eine der bedeutendsten Ballettschulen der Welt, er ist im Besitz der größten privaten Ballettsammlung der Welt, er wurde der erste Ballettintendant Deutschlands und ist, inzwischen deutscher Staatsbürger, auch Ehrenbürger der Stadt Hamburg.