Stefan Wimmer: "Der König von Mexiko"

Süffiges Männerbuch über Mädels und miese Jobs

| Lesedauer: 3 Minuten
Armgard Seegers

Wenn ein Buch als "Männerliteratur" bezeichnet wird, hat das ungefähr die Wirkung von K.-o.-Tropfen. Das jedenfalls behaupten die Verlage. Denn Literatur wird hierzulande mehrheitlich von Frauen gekauft und bei ihnen steht "Männerliteratur" nicht unbedingt ganz oben auf der Liste.

Im Fall von Stefan Wimmer und seinem Roman "Der König von Mexiko" wäre es jammerschade, wenn sich Käuferinnen durch das Männer-Etikett, das dem Buch über einen deutschen Macho, der sich in Mexiko-City mit Mädels, Mezcal und miesen Jobs durchschlägt anhaftet, vom Kauf abhalten ließen. Sie bringen sich damit um ein echtes Lesevergnügen.

Wimmer, der 1969 in München geboren wurde und drei Jahre im Moloch Mexiko-City lebte, von dort aus große Reportagen, unter anderem für die "Süddeutsche Zeitung", schrieb, erzählt sehr unterhaltsam und süffig vom prallen Leben in Mexikos Metropole.

Er kennt sich bestens aus mit Typen, die einen übers Ohr hauen wollen, mit launischen Latinas, ausufernden Alkoholabstürzen, schrägen Kneipenkumpels, durchzechten Nächten und all den Kleinkatastrophen, die einen Gelegenheitsjournalisten und Scheinstudenten beuteln können. Fast alles ist wohl so oder ähnlich selbst erlebt, erscheint authentisch. Der Autor hat sein Lotterleben in eine aberwitzige, äußerst amüsante Leseform gebracht.

Da misslingt eine Reportage über Mädchenmorde in Ciudad Juarez gründlich. Seine Beziehung zur schönen und verwöhnten Tenderly mit ihrer ausufernden Verwandtschaft, ihrem Esoterik-Fimmel, ihrer Vorliebe für Kamasutra-Positionen und einer durchgestylten Woche liest sich wie die Anleitung zu einem schrillen Ratgeber mit dem Titel "Wie Sie Ihre Beziehung gründlich vermasseln können".

Und wie er sich an der völlig desorganisierten Universität ein Doktoranden-Stipendium bei einem Professor mit atemraubendem Mundgeruch besorgt, zeugt von frechem Überlebenscharme und echtem Lebenswitz.

Ingo Falkenhorst schläft gern lange, konsumiert noch lieber rauschhafte Drogen und verbringt die Abende in Kneipen neben kaputten Lebenskünstlern.

Wimmers präziser Blick für absurde Abgründe, konstruktive Krisen und die Herausforderungen des Alltags lässt das Leben im Allgemeinen und die Tücken in einem fremden Kulturkreis im Besonderen lebendig werden. Wimmers Witz ist bestechend und irgendwie kommt sein Held auch immer ohne Blessuren davon.

Auch der zweite Teil des Romans, in dem es Wimmers Alter Ego Ingo Falkenhorst zurück nach München, an die Arbeit bei einem Männermagazin verschlägt, ähnelt einem Bericht aus dem Dschungel, in diesem Fall dem Mediendschungel, in dem es vor eitlen Kollegen, durchgeknallten Zicken und idiotischen Aufträgen nur so wimmelt. Auch das scheint authentisch. Wimmer war lange Zeit Mitarbeiter von "Men's Health" und anderen Magazinen. Mit viel schwarzem Humor schildert er Guru-ähnliche Berater des Chefs mit scheußlichem Pfälzer Dialekt, liebeskranke Bildredakteurinnen, intrigante Kollegen, Ressortleiter mit abseitigen Themenvorstellungen oder den Versuch, noch mit einem Rest von Verstand, obszöne Bildstrecken zu betiteln.

Ja, die Welt ist chaotisch und wird von schrägen Typen bewohnt, in Mexiko, München oder überall. Stefan Wimmer beschreibt das witzig, amüsant und äußerst unterhaltsam. Das muss man gelesen haben. Unbedingt!


Stefan Wimmer: Der König von Mexiko. &160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160;&160; Eichborn Berlin Verlag, 315 Seiten, 19,95 Euro.