Filmkunst: Wie der Cutter Andrew Bird arbeitet

Kleiner Schnitt vom Fachmann

Bekannt wurde der Brite vor allem, weil er Fatih Akins Filme geschnitten hat.

Hamburg. Was Andrew Bird macht, sieht jeder, der seine Filme begutachtet. Aber nur wenige wissen, dass sie auch von ihm sind. Rhythmus, Geschwindigkeit und Charaktere sind sein Geschäft. Der 51-Jährige ist Cutter. Er bringt Geschichten in Form. Bekannt geworden ist er besonders, weil er alle Filme von Fatih Akin geschnitten hat.

Im Prozess des Filmemachens sind Cutter für das normale Publikum eine unbekannte Größe. Manchmal sind es aber langjährige Kooperationen, die sie doch ein bisschen aus der Anonymität herausholen. Peter Przygodda und Wim Wenders sind so ein Duo, oder Martin Scorsese und Thelma Schoonmaker. Bevor Bird und Akin ein Team wurden, hatte der Brite, der seit Ende der 70er-Jahre in Hamburg lebt, schon einen Film des Wüste-Produzenten Ralph Schwingel geschnitten. Danach machte er schlechte Erfahrungen mit eigenwilligen Regisseuren, deren Namen er nicht mehr erwähnen möchte. "Wenn die alle so drauf sind, will ich das nicht", dachte er und überlegte, nur als Übersetzer zu arbeiten - sein zweites Standbein.

Doch dann baten ihn die Wüste-Produzenten Schwingel und Stefan Schubert 1988, mal ein Auge auf das Drehbuch zu "Kurz und schmerzlos" des jungen Regisseurs Akin zu werfen. "Wir haben uns kennengelernt und auf Anhieb gemocht", erinnert er sich. Meist kennt er schon das Drehbuch des Hamburgers. Seine eigentliche Arbeit beginnt während der Dreharbeiten, denn "man kann immer mal sehen, ob etwas fehlt". Zum Beispiel beim Dreh zu "Im Juli". Zu Beginn steht Moritz Bleibtreu als Anhalter an einer Autobahnauffahrt. Gedreht wurde in Bahrenfeld. Beim Schneiden stellte Bird fest, dass diese Sequenz unbedingt noch eine Großaufnahme des Schauspielers benötigte. Das Team war zwar mittlerweile schon nach Ungarn weitergezogen, aber das war das kleinere Übel. "Es waren alle zusammen, das Kostüm war da und Moritz' Haare sahen noch gleich aus."

Ein besonderer Fall war der jüngste Film. "Auf der anderen Seite" hat viele Preise eingesammelt. Meist gingen sie an Akin, aber auch Bird ist für den Deutschen Filmpreis nominiert. Der Entstehungsprozess hatte Tücken. "Das Drehbuch funktionierte auf der Leinwand nicht so gut. Wir haben die Struktur dann neu erfunden. Es ist bewundernswert, wie Fatih sich von seinem eigenen Buch entfernt hat." Der Regisseur sah es andersherum und bedankte sich öffentlich bei seinem Cutter für dessen Leistung.

Aber Bird arbeitet auch für andere. Uli Gaulke hat er die Dokumentation "Comrades in Dreams" über kinoverrückte Filmvorführer geschnitten. Auch beim türkischen "Takva - Gottesfurcht" legte er Hand an.

Rund drei Monate dauert der Schnitt für einen Kinofilm. Währenddessen verbringen Cutter, von denen es in Hamburg rund 150 gibt, und Regisseure viel Zeit zusammen in einem engen Raum. Das kann manchmal anstrengend sein, aber "man muss diesen Weg gemeinsam gehen", sagt Bird, "denn man will ja etwas herstellen, was in der Welt Bestand hat."

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