Hommage: Aus dem Leben eines Schauspielers und Komödianten

"Er war immer frisch geduscht"

Familie und Kollegen erinnern an Diether Krebs, der im August 60 Jahre alt geworden wäre.

Porträt: Diether mit "h" Krebs. 20.15 Uhr WDR

"Ich bin der Martin, ne . . . ?" Wer über sich selbst lachen konnte, damals in den Neunzigerjahren, der fand den Typen mit der Nickelbrille und dem Rentierpullover einfach zum Schreien komisch. Diether Krebs gab dem Müsli-Freak Gesicht und Gewicht, die Rolle wurde Kult. Wie noch so vieles mehr, das Diether Krebs verkörperte. Am 11. August wäre der Schauspieler und Komödiant 60 Jahre alt geworden. Viele Seiten des öffentlichen Mannes kennen seine Fans, einige bis heute eher unbekannte Seiten will das Porträt "Diether mit ,h' Krebs" zeigen. Den Filmtitel haben die Produzenten und Krebs-Biograf Martin Schlierkamp übrigens wegen der häufig falschen Schreibweise des Vornamens bei Dreharbeiten gewählt. Krebs starb am 5. Januar 2000 in Hamburg.

Im Mittelpunkt der 45-minütigen Sendung stehen seine Sketche, seine Filme, natürlich auch sein Nummer-eins-Hit "Ich bin der Martin, ne . . . ?". Kolleginnen und Kollegen erinnern sich an den Mann, den sie als sensibel, ehrlich, exakt in der Arbeit, großmütig, manchmal laut beschreiben. Iris Berben beispielsweise: "Ich bekam einen Anruf, die Nachfolge von Beatrice Richter bei ,Sketchup' zu machen, und da hab ich natürlich sofort NEIN gesagt." Und genau diese Beatrice Richter gibt zu Protokoll: "Was auch immer er getrieben hat, egal zu welchen Zeiten, er war immer frisch geduscht." Bei den Interviews standen seine Söhne Moritz (27) und Till (21) hinter der Kamera. "Wenn man den Namen erwähnt, huscht ein Lächeln über das Gesicht der Menschen. Das finde ich sehr schön, das macht mich stolz", sagt Moritz Krebs über seinen Vater.

Sehr bewegend auch Krebs' bislang unveröffentlichte Selbstinterviews. "Es gibt Morgende, an denen ich immer wieder erstaunt bin, dass ich noch schlechter aussehe, als ich mich fühle", hat er in einem Hotelzimmer privat vor der Kamera gesagt. Das war keiner seiner vielen Sketche und auch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Es war eine Hinterlassenschaft für seine Familie. Ganz allein vor der Kamera sei er noch ehrlicher, soll er dazu bemerkt haben. Da war er schon an Lungenkrebs erkrankt. Dass er dann noch in der Ruhrgebietskomödie "Bang Boom Bang" eine Hauptrolle spielte, ging nur, "weil seine Klinik in der Nähe war", wie Filmautor Rüdiger Daniel sagt.

Krebs' Karriere begann in Oberhausen und Bochum auf der Bühne, dann brachte ihn Freundin Hildegard Krekel zum Fernsehen, seit 1973 spielte er den Schwiegersohn von "Ekel Alfred" in "Ein Herz und eine Seele". Als der WDR die Serie entschärfen wollte, weil die SPD Angst um ihre Wähler gehabt habe, kehrte Krebs der Rolle den Rücken und die Ära der Sketche begann. Ob allein oder an der Seite von Beatrice Richter oder Iris Berben, Krebs wurde als TV-Komödiant eine feste Größe. Hin und wieder spielte er ernsthaftere Fernsehrollen wie einen russischen Agenten in "Polizeiruf 110".

Im NDR kann man am Sonnabend "Lachen mit Diether Krebs" (20.15 Uhr), anschließend wird der "Tatort - Alles umsonst" wiederholt.