Dichterwettstreit

Menschlich gesehen

Kann man im zarten Alter von 25 Jahren schon eine Koryphäe sein? Man kann. Kommt bloß darauf an, wann man angefangen hat, wie relevant die eigene Stellung ist - und auf ausreichend Selbstbewusstsein und Selbstironie. Michel A b d o l l a h i, der sich auf seiner Homepage ganz unbescheiden selbst zur "Slam-Koryphäe" ausruft, erfüllt diese Vorgaben.

Als 18-Jähriger nahm er im Molotow das erste Mal an einem Poetry Slam teil - und gewann auf Anhieb. Mittlerweile gehört der charmante Eidelstedter längst zu den Protagonisten der Hamburger Szene. Seit knapp zwei Jahren richtet er mit Jan-Oliver Lange den erfolgreichen Dichterwettstreit im Zeise-Kino aus. "Wir wollen junger Kunst ein Forum bieten", erklärt Abdollahi, der die Veranstaltungen moderiert, "ohne Konkurrenz zum Molotow." Das Konzept - rauchfrei und ruhiger als auf dem Kiez - geht auf. Der Zeise-Slam (wieder am 9.3., 22.30 Uhr), der im kleinsten Saal begann und inzwischen bis zu 400 Zuschauer ins Kino 1 lockt, ist auf dem besten Weg, zum größten Poetry Slam Europas zu werden.

Den ersten TV-Slam am Sonntag erwartet der gebürtige Teheraner, der derzeit auf die Ergebnisse seines Jura-Examens wartet, neugierig, aber skeptisch: "Ob die Stimmung rüberkommt?" Im Zeise jedenfalls kommt sie rüber. Vermutlich auch, weil dort eine echte Slam-Koryphäe durch den Abend führt.

( msch )