Deutsche Stiftung Musikleben: Musiker Klaus Winkler überließ seine Guadagnini-Geige einem Nachwuchs-Talent

"Ein Instrument ist ein ganz besonderer Partner"

Vom 23. bis 25.2. wetteifern junge Musiker im Museum für Kunst und Gewerbe um kostbare Instrumente. Öffentlich.

Hamburg. Nicht jeder hat die klingenden Münzen parat, um sich eine kostbare Geige zu leisten. Doch Spieltechnik ist nicht alles. Auch das Instrument muss stimmen. Dafür sorgt seit 1993 die Deutsche Stiftung Musikleben mit ihrem Musikinstrumentenfonds - ein gemeinsames Projekt mit dem Bund, das rund 130 wertvolle Streichinstrumente (darunter Stradivaris) über einen jährlich ausgetragenen Wettbewerb leihweise an hochbegabte Musiker vergibt. Vom 23. bis 25.2. versammelt sich zum 15. Mal die junge Streicherelite im Museum für Kunst und Gewerbe, um sich eins der Instrumente zu erspielen - zu 60 Prozent sind es treuhänderische Eingaben aus Privatbesitz.

Ein Gespräch mit Klaus Winkler (66), der jahrzehntelang im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks spielte und 2005 seine Guadagnini-Geige (1756) dem Fonds stiftete.

ABENDBLATT: Sie haben Ihre Guadagnini fast 30 Jahre gespielt. Konnten Sie es überhaupt übers Herz bringen, sie wegzugeben?

KLAUS WINKLER: Das ist ein ganz normaler Prozess. Wenn man in Ruhestand geht und nicht mehr aktiv im Konzertleben steht, dann fragt man sich: Was mache ich jetzt mit dieser schönen Geige? Soll ich mir zu Hause immer was vorspielen? Das fand ich zu schade. Dann ist es doch naheliegend, dass man so eine Geige jüngeren Talenten anvertraut.

ABENDBLATT: Trennt man sich wirklich so leicht von einem musikalischen Partner?

WINKLER: Man ist natürlich sehr eng verbunden mit seinem Instrument, weil es die eigenen Intentionen produziert. Es ist ein ganz besonderer Partner. Aber man darf sich die Trennung in meinem Fall nicht so abrupt vorstellen. Ich habe ein paar Jahre vor dem Rentenalter den Orchesterdienst quittiert - wegen einer Handoperation - und die Geige in den vergangenen Jahren nicht mehr so intensiv genutzt. Insofern war der Prozess sanfter, ich habe die Geige nicht mit Tränen in den Augen abgegeben.

ABENDBLATT: Auch nicht mit einer ganz kleinen?

WINKLER: Die Geige erklingt ja weiterhin, sie ist also nicht allein. Und ich spiele jetzt auf einer anderen Geige, ich habe auch einen neuen Partner.

ABENDBLATT: Welche Persönlichkeit hat Ihre Guadagnini?

WINKLER: Sie ist ein sehr gut klingendes Instrument mit schöner runder Tiefe und strahlender Höhe. Auch die Mittellage ist sehr gut ausgebildet, die Geige klingt sehr ausgeglichen und warm.

ABENDBLATT: Keine Zickereien?

WINKLER: Selten macht das Instrument, was es will, es macht nur das, was der Spieler will. Wenn mal 'ne Saite reißt, gut, da kann man nichts machen. (lacht)

ABENDBLATT: Hat der chinesische Geiger Feng Ning, der seit 2005 auf Ihrer Geige spielt, Sie um spieltechnischen Rat gebeten?

WINKLER: Auch er musste sich auf dieses Instrument einstellen. Er hat ja nicht eine Geige bekommen, die 200-prozentig funktioniert, und dann brauchte er nur noch aufs Gaspedal treten wie beim Porsche und dann läuft alles. Aber bei seiner Qualität muss man gar nicht viel reden, er hat sofort die Stärken und Schwächen des Instruments erkannt.

ABENDBLATT: Jetzt gibt Feng Ning die Geige wieder zurück, er hat eine andere. Sind Sie gespannt, wer sich nun Ihre Geige erspielt?

WINKLER: Natürlich! Meine Frau und ich reisen am Freitag an und sind sehr neugierig, wie die Jury diesmal entscheidet.