TV-KLASSIKER: FRANK BANUSCHER STAND BEI "DINNER FOR ONE" HINTER DER KAMERA

Miss Sophie, James und der Kameramann

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Brigitte Ehrich

"Dinner for One" amüsiert jedes Jahr wieder. Bei den Dreharbeiten vor 43 Jahren hatte niemand mit so einem Erfolg gerechnet. Der Kameramann Frank Banuscher erinnert sich.

Hamburg. Ein chinarotes Sofa im Wohnzimmer. Auf dem Schrank marschieren Herden von Elefanten in allen Variationen auf. Chinesische Rollbilder an den Wänden, Buddhas, jede Menge Statuen, Figürchen, Fotos in Regalen und auf einer asiatischen Truhe. Selbst auf dem Tisch bleibt kaum Platz für eine riesengroße Teetasse. Offenkundig das Domizil eines Globetrotters.

Hier, in seiner Hamburger Wohnung, zwischen all den Andenken, die er von unzähligen Reisen mitgebracht hat, fühlt sich Frank Banuscher wohl. Eines allerdings findet sich nicht im liebenswerten Chaos: Erinnerungsstücke an den Sketch, den Banuscher 1963 als Kameramann für das Fernsehen verewigte und der zum Silvester-Kultstück schlechthin werden sollte - "Dinner for One oder Der 90. Geburtstag".

"Damals hat niemand an einen solchen Erfolg geglaubt", sagt Banuscher. Für ihn war die Aufzeichnung im Lokstedter Studio des NDR eine ganz gewöhnliche Sache. Allerdings mit zwei ungewöhnlich perfekten Hauptdarstellern als Butler James und Miss Sophie.

Drei Kameras und keine Tricks

"Freddie Frinton und May Warden waren so sicher aufeinander eingespielt, dass wir die Aufzeichnung auch an einem Tag geschafft hätten." Gedreht wurde jedoch fast eine Woche lang, einmal ohne und einmal mit Publikum, das aus der NDR-Belegschaft zusammengetrommelt wurde. Drei Kameras gab es damals und keine speziellen Aufnahmetricks. Würde er es heute anders machen? "Nein", versichert der 74-Jährige. "Das sprach damals für sich selbst. Da muss man fotografieren, was einem geboten wird. Wichtig ist nur die Qualität." Sein Name allerdings tauchte hinterher nirgendwo auf. "Dinner for One" war ursprünglich als Pausenfüller vor der Tagesschau geplant. Aus Zeitmangel wurden die Namen aus dem Abspann einfach gekürzt. Das blieb auch so, als nach der ersten Silvester-Sendung 1972 ein Knüller aus dem Sketch wurde.

Banuscher sieht's mit Gelassenheit. Schließlich hat er reichlich andere Meriten als Kameramann aufzuweisen. Er drehte viele Krimis, "Tatort" oder die "Schwarz-Rot-Gold"-Reihe. Mit Istvan Bury und Rolf Seelmann-Eggebert besuchte er die Königshäuser Europas. Mit Peter von Zahn verbrachte er ein Jahr in Japan, und 14 Jahre lang begleitete er Hans Walter Berg bei seinen Reportagen über die "Gesichter Asiens".

Für sein Gesamtwerk wurde er 1988 mit der Goldenen Kamera der "Hörzu" ausgezeichnet. Die steht heute oben im Regal, eingerahmt von zwei Porzellan-Chinesen. Durch die unzähligen Anekdoten, die er lebhaft mit den Händen untermalt, purzeln die Namen der Fernsehgrößen wie Murmeln durch den Sand: Romy Schneider, Fritz Kortner, Peter Ustinov, Rolf Hädrich, Jürgen Roland, Inge Meysel - mit ihnen allen hat er zusammengearbeitet.

Stolperfalle Tigerkopf

Auch an Freddie Frinton und May Warden erinnert er sich gut. "Sie waren beide sehr bescheiden und wohnten in einer einfachen Pension. Er war sehr zurückhaltend mit einem grandiosen Humor, sie eine richtige englische Lady." Eines allerdings monierte Frinton in Deutschland: die mangelnde Tee-Kultur, was Teetrinker Banuscher nur zu gut versteht.

Und noch etwas verband den Kameramann mit "Butler James": Die "Stolperfalle" Tigerkopf gibt es auch in seiner Familie. Sie fristet im Ahrensburger Haus der Schwiegereltern ihr Dasein. "Es ist für mich immer noch eine Überraschung, wann James stolpert und wann nicht." Gern sieht Banuscher sich den Sketch alle Jahre wieder an. Am liebsten natürlich im Original und nicht von "grauenvollen und rührenden Nachahmern".

Zum Schluss gibt der Weltenbummler, der mit seiner Frau, der Journalistin Doris Banuscher, noch immer gern reist und zu Hause inmitten seiner asia tischen Erinnerungsstücke auf dem Sofa selbst thront wie ein lächelnder Buddha, noch die Wahrheit über ein angebliches zartes Intermezzo des legendären Paares preis. Und der Schalk blitzt ihm unter den buschigen Brauen aus den Augen. Als er gefragt wurde, ob Frinton und Warden wohl etwas miteinander gehabt hätten, "verriet" er, Freddie habe seiner Partnerin einmal sanft über den Rücken gestreichelt, worauf sie meinte: "Stop it - I like it!" Man glaubte es ihm gern. Das aber war nicht den Sketch-Partnern, sondern ihm selbst bei Dreharbeiten mit einer englischen Schauspielerin passiert...