Eckhard Henscheid über Dummdeutsch und Lieblingsfeinde

Hamburg. Nein, Eckhard Henscheid weiß nicht, was ihn heute beim Machtclub im Malersaal erwartet. "Ich werde entweder Hamburg in Frieden lassen, die haben eh mit der Bundesliga-Mannschaft genügend Sorgen, oder die Revolution ausrufen", sagt der Schriftsteller trocken.

Letzteres dürfte den Macht-Machern recht sein. Unterwandern sie mit ihrer Show doch den Literaturbetrieb unter ähnlich anarchisch-augenzwinkernden Vorzeichen wie Henscheid seit den 60er-Jahren, damals als Autor der Satire-Zeitschriften "Pardon" und "Titanic". Mit jungem Publikum hat der 65-Jährige unterschiedliche Erfahrungen: Einerseits läsen 30-Jährige unvoreingenommener. Andererseits sei "ein bestimmter Fundus an gebildeten Zitaten in der nachfolgenden Generation terra incognita".

Doch keine Sorge, "den Nachwachsenden" bietet er gern die eine oder andere "komische Handreichung", wenn er aus "Lyrik & Drama" vorträgt, seinem aktuellen Band, der Arbeiten vom politischen Gedicht über Goethe-Variationen bis zu Fußball-Betrachtungen versammelt. Darin ebenfalls enthalten: ein Text, in dem Henscheid ein Suhrkamp-Verlagsprospekt persifliert. Allerdings von 1992. Einen "größeren Zusammenhangsartikel" über den aktuellen Eigner-Streit zu verfassen, hat er abgelehnt. "Über die Suhrkamp-Kultur hab ich schon so viel geschrieben, dass es mir selber langweilig wird", sagt er.

Von Altersmilde keine Spur. Jüngst hat er sich mit Habermas und Grass befasst, mit dieser "bestimmten Form von Verlogenheit". Selbst wenn ein "Lieblingsfeind" wie Kabarettist Hanns Dieter Hüsch stirbt, revidiert Henscheid sein Urteil, "dass da einer viel zu lange unter uns den Schnabel aufmachen durfte", nicht.

Denkt er hingegen an den Tod von Weggefährten wie Robert Gernhardt, "stellen sich natürlich auch wehmütige Gefühle ein". Viel gäbe es noch zu tun. Ein verbal zu attackierendes Ziel sei - neben "Wikipedia, Internet und all dem Unsinn" - die "sprachliche Aufgeblasenheit, die sich im Politiker- und Kulturfunktionärsdeutsch äußert". Nullwort des Jahrzehnts ist für ihn "spannend", meint Henscheid, der sich die Bemerkung nicht verkneifen kann, dass das "Dummdeutsche" bei Frauen etwas mehr in den Köpfen sei als bei Männern. Nun ja.

Loben könne er allerdings auch. Harald Schmidt bringe eine "satirische Grundbegabung mit", sei aber zu beliebig geworden. Karikaturist Heino Jaeger aber sei einer gewesen, der "über die Jahrhundertgenialität hinaus das Jahrtausend streift". Ganz so hoch hinaus wird's im Machtclub wohl nicht gehen. Aber für eine kleine Revolution könnte es reichen.

Machtclub: mit Sebastian Orlac, Malersaal, heute, 20.30 Uhr; 9 Euro