Urheberrechte, Tantiemen und die Vorgängerin der Gema

Im ersten Kriegsjahr 1939 gab es in Deutschland 3500 Komponisten, 8300 Kapellmeister und Orchestermusiker, 6500 Solisten, Konzertbegleiter und Kirchenmusiker sowie 126 000 Unterhaltungsmusiker. Hinzu kamen 476 Musikverleger, 665 Veranstalter und 130 Agenten. Alle Rechte wurden von der Ende 1933 gegründeten Stagma wahrgenommen, der "Staatlich genehmigten Gesellschaft zur Verwertung musikalischer Urheberrechte". Diese war Nachfolgerin der damals 30 Jahre alten Gema, deren mehrheitlich nationalsozialistisch gesinnten Mitglieder zunächst eine "Selbstreinigung" gefordert und die sich im Herbst '33 dann aufgelöst hatte.

Geschäftsführer der Stagma wurde Leo Ritter, der dieses Amt schon seit 1928 bei der Gema innehatte und Hitlers "Mein Kampf" als Prämie für verdiente Mitarbeiter zu verschenken pflegte. Bezugsberechtigt waren laut Satzung nur "Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit, Angehörige der Berufsstände der deutschen Komponisten, der deutschen Textdichter und der deutschen Musikverleger". Da aber die Reichsmusikkammer unter ihrem Präsidenten Richard Strauss 1934 in ihren Richtlinien festgelegt hatte "Nichtarier sind grundsätzlich nicht als geeignete Träger und Verwalter deutschen Kulturguts anzusehen", bedeutete dies das Berufsverbot für die damals etwa 8000 in der Reichsmusikkammer organisierten Juden.

Um den Schein zu wahren, wurden sie von der Stagma als "Wahrnehmungsberechtigte" geführt. Obwohl der Verkehr mit dem Ausland weitestgehend eingeschränkt war, wollte sich die Stagma doch die teils immer noch kräftig fließenden Gebühren für jüdische Komponisten nicht entgehen lassen. 1941 betrugen die Gesamteinnahmen der Stagma 14 Millionen Reichsmark. Dazu trugen immerhin noch 344 emigrierte Juden bei, davon allein Franz Waxmann mit 26 300 und Emmerich Kalman mit 14 800 Reichsmark. Da sich die Nazis jedoch jüdisches Eigentum per Gesetz als Reichseigentum unter den Nagel gerissen hatten, wurden die Gelder dem braunen Fiskus gutgeschrieben.

Das System trieb aber auch skurrile Blüten: Arnold Schönberg erhielt noch 1935 in Hollywood eine Schlussabrechnung der Gema. Und dessen Schüler Anton Webern, der sich in Wien am Rand des Existenzminimums mit Gelegenheitsarbeiten durchschlug, trat in seiner Not der Reichsmusikkammer bei und erhielt aus deren Fond "Künstlerdank" eine monatliche Unterstützung von 250 Mark.

Zwei Jahre nach Kriegsende wurde die Stagma aufgelöst und konnte laut Kontrollratsbeschluss der Alliierten unter dem ursprünglichen Namen Gema die Arbeit aufnehmen.