Export-Schlager: Neue Fälle für Schwedens ernsten Ermittler

Ein Leben mit und nach Beck

Die Titelrolle hat Schauspieler Peter Haber berühmt gemacht. Doch nun will er vorerst aufhören.

Krimi: Kommissar Beck. So, 22.00 Uhr ZDF

So ganz wird er den Kommissar nicht los. Er ist noch da, wenn Peter Haber in Stockholm vom Drehort nach Hause zu seiner Familie kommt. Erst recht lässt er sich nicht abschütteln, weil er den Schauspieler weit über die Grenzen von Schweden hinaus bekannt gemacht hat. Und zurzeit steckt ihm der knurrige Ermittler Martin Beck sogar regelrecht in den Knochen. Denn weil Haber für die erfolgreiche Krimireihe "Kommissar Beck" seit Wochen nur nachts dreht, entwickelt er gerade einen Dauer-Jetlag.

Aber bevor der Eindruck entsteht, der fiktive Martin Beck verfolge den Privatmann Peter Haber, kommt doch noch eine entlastende Aussage. "Ich nehme Beck zwar mit nach Hause", sagt der Schauspieler. "Doch wirklich anstrengend fand ich das nie."

Zumindest in der Öffentlichkeit führt der 54-Jährige seiner Popularität zum Trotz tatsächlich ein relativ entspanntes Leben. Während die schwedischen Boulevardzeitungen gern und ausgiebig im bewegten Liebesleben von Mikael Persbrandt, der in der Krimireihe Becks aufbrausenden jungen Kollegen Gunvald Larsson mimt, herumstochert, hat Peter Haber meist seine Ruhe. "Ich bin glücklich mit meiner Frau und unseren drei Kindern", sagt er. "Das ist für die Presse nicht interessant."

Ein einsamer Wolf wie sein Krimi-Alter-Ego ist Peter Haber nicht. Aber die Melancholie, die den Kommissar auch jetzt, in den vier neuen Folgen der schwedisch-deutschen Koproduktion umgibt, sei ihm durchaus nicht fremd. Damit soll es aber dann auch genug der Parallelen sein. "Was wir sonst noch gemeinsam haben, will ich lieber nicht wissen", sagt der Schauspieler. "Fest steht, dass man sich für keine Rolle komplett verstellen kann."

Der auch in heiteren Momenten unbewegt düstere Blick jedenfalls gehört auch zum privaten Peter Haber. Andererseits - zu ernst nehmen muss man das nicht. Denn Haber ist keiner dieser Schauspieler, die instinktiv eine hohe Mauer um sich und alles, was sie als Mensch erleben und denken, bauen.

Im Gegenteil. Er liebt es, zu erzählen. Von seinen Kindheitserinnerungen an Deutschland zum Beispiel, die viel mit Remscheid, der Geburtsstadt seines Vaters zu tun haben. Dort wurde Peter Haber getauft, dort hat er seine Sommerferien verbracht. Deshalb findet er es auch schade, dass "mein Deutsch in Schweden immer etwas passiv wird". Dafür, dass er nicht zu viel vergisst, sorgt nicht nur die Tatsache, dass Peter Haber gerade mit Axel Milberg in einem "Tatort" und mit Dieter Pfaff für eine der neuen "Beck"-Folgen gedreht hat. Freitags lässt er sich als Zuschauer keine Ausgabe von Johannes B. Kerners Koch-Talk entgehen. Und er ärgert sich noch immer über diesen Tag im deutschen Sommermärchen, als er in Berlin Karten für das Spiel Schweden gegen Paraguay hatte - und krank wurde. Eine Erinnerung aber konnte er doch mitnehmen: Xavier Naidoos Song "Dieser Weg", den die deutschen Spieler immer in der Kabine hörten, hat Peter Haber sich sofort gekauft.

Für schöne Dinge wie Musik, Fußball und Urlaub, so viel hat der Schauspieler sich vorgenommen, soll bald ohnehin mehr Zeit sein. Bis Dezember dreht er weitere "Beck"-Folgen. "Dann ist für mich Schluss", sagt er scheinbar entschieden. Nicht ohne nach einer Pause den entscheidenden Satz hinzuzufügen. "Allerdings", sagt er, "kann ich mir vorstellen, dass ich in ein paar Jahren weitermache." So ganz will er den Kommissar wohl gar nicht los werden.