Und es gibt sie doch noch

Ansagerinnen: Die einstige Fernseh-Institution lebt im Internet weiter.

Hamburg. Programmansagen sind nicht mehr zeitgemäß, finden die Fernsehsender. Zunächst waren es die Privatsender, die es für moderner und erfolgversprechender hielten, für ihre Sendungen mit Trailern zu werben. Für freundlich lächelnde Ansagerinnen war da kein Platz mehr. Dann mussten sich auch bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten die Schrowanges und von Goessels ein neues Betätigungsfeld suchen. Selbst das NDR Fernsehen, bis vor kurzen quasi ein letztes Bollwerk gegen die Entmenschlichung auf der Mattscheibe, hat die Auftritte seiner Programmansager wie Denes Törzs, Kirsten Ranf oder Andrea Müsse auf die Nachmittagsstunden reduziert. Fans haben die Damen und (wenigen) Herren aber noch immer. Ein besonders Eifriger machte sich gar die Mühe und bringt sie wieder in Amt und Würden - zumindest am Computer. Unter www.fernsehansager.de.vu (der Zusatz .vu ist nötig, die Website ist auf einem Internet-Server der Insel Vanuatu im Pazifischen Ozean registriert) gibt es ein Wiedersehen mit Elfie von Kalkreuth, Susan Stahnke, Mady Riehl, Kathrin S. Peters oder Hanni Vanheiden. Auch die Privatsender sind in diesem TV-Museum vertreten. Eine besonders hübsche Aufnahme gibt es von Ulla Kock am Brink - im knallgelben Kostüm mit knallblonden Haaren - noch aus ihrer Zeit als Ansagerin bei RTL. Zusammengetragen hat diese seltenen Zeugnisse der Fernsehgeschichte Marcel Schenk (25). Vom Erfolg seiner im September 2001 gestarteten Fan-Seite ist der Zugbegleiter selbst überrascht: "In vier Monaten 16 000 Besucher. 99 Prozent wollen die Ansagerinnen wieder auf dem Bildschirm sehen." Schenk bemüht er sich um eine umfassende Auflistung aller Damen und (der sehr wenigen) Herren mit Kurzinformationen, trägt deren Bilder zumeist aus Videomitschnitten zusammen. Leider bleiben trotz seines Fleißes viele Namen auf der Fan-Website gesichtslos, da die Fernsehsender Programmansagen nicht archivieren. Für die Nutzung von Autogrammkarten dagegen wollen Fotografen und Agenturen Geld sehen. So werden Aufnahmen aus den Anfängen der TV-Karrieren etwa von Dagmar Berghoff, Arabella Kiesbauer oder dem RTL-Ansager der ersten Stunde und späteren "Li-La-Launebär"-Moderator Metty Krings wohl weiter in den Archiven schlummern. Schade eigentlich.

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