Tellheim statt Törner: Wechsel beim Schweriner "Polizeiruf 110"

Krimi: Polizeiruf 110. So, 20.15 Uhr ARD

Nein, ganz verschwunden ist er noch nicht aus dem "Polizeiruf 110". Zwar hat sich Tobias Törner (Henry Hübchen) nach drei Jahren per Brief von Kollege Jens Hinrichs (Uwe Steimle) verabschiedet. Doch der Kommissar hat seinem Partner einen Goldfisch hinterlassen, der fortan als Alter ego Törners in der Schweriner Dienststube seine Runden zieht. Hinrichs reicht dieser tierische Ersatz voll und ganz. Als sich der zuvor in Rostock ermittelnde Kommissar Markus Tellheim (Felix Eitner) als Verstärkung anbietet, wimmelt Hinrichs den Neuen ab - mit Sätzen wie "Ich bin nicht überfordert, nicht mal gefühlt."

Gerne würde sich der Eigenbrötler im Gefühl unfreiwilliger Einsamkeit suhlen. Doch als eine Frau tot im Wismarer Hafenbecken auftaucht, werden der zynische Hinrichs und der melancholische Tellheim auf den Fall angesetzt. "Die beiden ergänzen sich, ohne direkt Freundschaft schließen zu müssen", sagt Produzentin Heike Richter-Karst über das neue Duo. "Der Tellheim ist einer, der die Sachen lieber mit sich ausmacht", erzählt Eitner über seine ernst wirkende Rolle. Doch die Figur berge das Potential, mit ihr "Sprünge zu machen", meint der 1967 in Freiburg geborene Schauspieler, der vor 13 Jahren ausgerechnet in einer "Polizeiruf 110"-Folge ("Samstags, wenn Krieg ist") sein Filmdebüt gab.

"Jeder Schauspieler, mit dem ich arbeite, birgt etwas Neues", sagt Steimle, der mit "Matrosenbraut" 25. "Polizeiruf"-Jubiläum feiert. Zwar transportiert der von dem Kabarettisten stark mitentwickelte Charakter Hinrichs noch einen eigenen ostdeutschen Witz - etwa, wenn er mit stoischer Ruhe erklärt: "Ich trink' erst mal 'n Bohnenkaffee, gearbeitet ist dann schnell." Doch solche Mentalitätsanleihen reichen Steimle nicht. "Regional-politisch mehr nach Mecklenburg-Vorpommern gucken", das wünscht sich der 42jährige Dresdner für das Profil des Krimis. "Seit sieben Folgen frage ich mich, wo das Konzept geblieben ist", redete er sich bei der NDR-Präsentation in Rage. Autorin Beate Langmaack, die vorerst keine "Polizeiruf"-Drehbücher mehr schreiben wird, verweist auf durchaus politische Folgen wie "Dumm wie Brot" über das Thema Subventionsgelder.

Was auf jeden Fall bleibt, ist die grau-verhangene Ästhetik der Reihe, in der sich die Spannung nicht in Action entlädt, sondern das Dunkle langsam durch die oberflächliche Ruhe bricht.