Wenn Träume auf Behörden treffen

Park Fiction: Streit um die Gestaltung des Antoni-Parks auf St. Pauli.

Hamburg. Immerhin, die futuristisch anmutende Turnhalle der Schule Friedrichstraße ist fast fertig. Auf ihrem Dach sollte in diesem Jahr endlich das "Park Fiction"-Projekt realisiert werden, das 1994 ins Leben gerufen worden war und derzeit auf der Documenta präsentiert wird. Doch wenige Wochen vor Baubeginn des nach Vorschlägen von Anwohnern entworfenen Parks streiten Umweltbehörde und Initiatoren über die rund 2,4 Millionen Euro teure Gestaltung der Fläche zwischen St.-Pauli-Kirche und Hafentreppe. "Wesentliche Elemente des Gesamtkonzepts wurden gestrichen", moniert der Hamburger Künstler und Mit-Initiator des "Park Fiction"-Projekts, Christoph Schäfer, die Änderungen der Behörde an dem Konzept mit zahlreichen Objekten und Installationen. So war im ersten Bauabschnitt für den "Fliegenden Teppich", eine wellenförmige Rasenfläche auf dem Turnhallendach, eine Umrandung aus bunten Steinen vorgesehen, die nun in einer vereinfachten Version realisiert werden soll. Viel mehr ärgert Schäfer jedoch die Streichung des so genannten "Seeräuberinnen-Brunnens", weil der Stadt der Aufwand für dessen Reinigung und Pflege zu hoch ist. Auch das "erdbeerförmige Baumhaus" in der Nähe der St.-Pauli-Kirche wurde ersatzlos gestrichen: Da es auf eine gepflasterte Fläche rage, sei das Verletzungsrisiko für kletternde Kinder zu groß. Umstritten ist auch die Beleuchtung des Parks: Statt der im Entwurf vorgesehenen Beleuchtung einzelner Objekte will die Umweltbehörde aus Kostengründen nur an Treppen, Wegen und Höhenvorsprüngen Laternen aufstellen - so wie in jedem anderen Park. Für Schäfer ausgeschlossen: "Das soll ein Park werden, in den die Leute auch nachts gern gehen." Während die "Park Fiction"-Planer eine Realisierung möglichst nah an dem Konzept suchen, mit dem sie auf der Documenta vertreten sind, müssen Umweltbehörde sowie die Bezirke Mitte und Altona auch noch Bestimmungen zu Sicherheit, Lärmschutz, Pflege und vor allem deren Kosten berücksichtigen. Angesichts knapper Kassen seien Kompromisse nötig, begründet Heiner Baumgarten, bei der Umweltbehörde als Amtsleiter für Stadtgrün und Erholung tätig, die Streichungen. "Die Umweltbehörde hat sich sehr weit bewegt", gibt Schäfer zu, "aber wenn ich das ursprüngliche Konzept nicht wieder erkennen kann, ziehen wir uns aus dem Projekt zurück." Diesen Schritt würde man in der Behörde bedauern, die den Antoni-Park so realisieren möchte, dass er das prestigeträchtige Prädikat "Park Fiction" auch verdient. Das Geld sei im Haushalt eingeplant, und man liege im Zeitplan, sagt Baumgarten. "Wir geben uns viel Mühe, dass der Park nahe am Kunstprojekt weiterentwickelt wird." Sollte dennoch keine Einigung über die Gestaltung der 9000 Quadratmeter großen Fläche zu Stande kommen, "machen wir einen Park, so wie wir immer einen Park machen", sagt Baumgarten. Doch so pessimistisch will er nicht sein. "Die Kunst des ,Park-Fiction'-Projekts liegt auch im Prozess an sich."

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