Dank an Hildburg Frese

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Volker Lechtenbrink

Heute wird die "Grande Dame" des Hamburger Schauspielstudios beigesetzt. Ein ehemaliger Schüler verabschiedet sich.

Hamburg Sie hatte einmal angeregt, man könne ja Stunden tauschen mit einem Kommilitonen und so in den Genuss eines längeren Unterrichts kommen. Ich fand die Idee prächtig und tauschte heftig. Und so kam es, dass sie eine ganze Woche lang auf ihre Frage "Wer ist als Nächster dran?" mein "Ich, Frau Frese!" hörte. Das mit dem Tauschen wurde überdacht, blieb aber als Anekdote über Schülergenerationen hinweg erhalten. Und es waren Generationen, die von ihr ausgebildet wurden. Auch meine Tochter Saskia. Nicht immer leicht für sie zu hören "Dein Vater hat aber . . . !" - doch was war das schon gegen das, was man lernen konnte! Zuallererst bedingungslose Liebe zum Beruf (wir sprachen sogar noch von Berufung, Idealisten, die wir waren), Disziplin, Ausdauer, Spiellust, Achtung vor Kollegen, Durchsetzungsvermögen und "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung" - so hieß das Grabbe-Stück, dessen Rolle "Der Teufel" wir am liebsten miteinander bearbeitet haben. "Wo man hintritt - ein Frese-Schüler", das war ein stehender Spruch von uns. Und er stimmte! Kam man zum Synchron: Frese-Schüler. Vorhang auf: Frese-Schüler. Fernseher an: Frese-Schüler. Bei einem so genannten "Reading" im Schauspielhaus waren wir einmal sieben von elf Beteiligten. Viele sehr Prominente von heute sind ihre Schüler von damals. Doch Prominenz war für sie immer nur schönes Beiwerk, "werde einfach nur gut", pflegte sie zu sagen. Wir haben es versucht, Frau Frese. Jeder auf seine Weise, und die nächsten Generationen werden es an der Schule, die immer noch Ihren Namen trägt, ebenfalls versuchen. In Ihrem Sinne. Wir haben Sie insgeheim immer für unsterblich gehalten - nun sind Sie doch gegangen. Danke für alles.