Zum Tode von Peter Ahrweiler

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Brigitte Ehrich

Hamburg. Er war ein besessener und manchmal auch verbissener Theatermann: Peter Ahrweiler, der (wie berichtet) am vergangenen Freitag im Alter von 89 Jahren nach langer Krankheit starb, war fast fünfzig Jahre lang ein kantiger Brocken in der Hamburger Theaterlandschaft - erst als bissig satirischer Kabarettist, später als sarkastisch kritischer Boulevardist, falls es so etwas überhaupt geben kann.

In seiner "kleinen komödie" am Neuen Wall sorgte er für muntere Unterhaltung, in seiner Meinung zu hamburgischen, gesellschaftlichen oder theatralischen Missständen blieb er jedoch angriffslustig wie eh und je.

Eigentlich wollte der gebürtige Krefelder Pilot werden, das Fliegen blieb auch später sein Hobby. Doch nach dem Krieg entschied er sich fürs Kabarett. Als Schrotthändler verdiente er das Geld für seine erste eigene Bühne, das "rendezvous" in einer Bretterbude am Georgsplatz. Mit dem zunehmenden Wirtschaftswunder ging ihm jedoch die Basis für die satirischen Spitzen verloren. "Kabarett kann man nur für Hungrige machen", meinte er und wechselte zum Boulevardtheater.

Von 1953 bis 1994 gabs in der "kleinen komödie" Vergnügen satt, Gastronomie inklusive. Ahrweiler holte Künstler wie Lilian Harvey, Heinz Ehrhardt, Werner Finck und Karin Dor an seine winzige Bühne. Und er spielte selbst in fast allen Stücken mit. Nicht nur das: Er war Theaterchef, Regisseur, Schauspieler, Dramaturg, Kassierer, Sekretär und Verwaltungsdirektor in einer Person. Manchmal trat er sogar am selben Abend in der "komödie" und im später eingerichteten "rendezvous" im Tiefparterre wechselweise auf. Ein organisatorisches Meisterstück.

Mit dem Musical "Irma la Douce" verabschiedete sich Ahrweiler von der Hamburger Theaterszene, weil die Mieten für seine Bühnen für ihn nicht mehr bezahlbar wurden. Doch auch danach ließ das Theater ihn nicht los. Er spielte noch mit 83 Jahren am Landestheater Schleswig. "Was soll ich denn sonst tun?", meinte er damals.

( beh )