Acht Kerzen lassen das "Schachar" erstrahlen

Lichterfest: Daniel Haws jüdisches "Theater Schachar" lädt am Sonntag zur großen Chanukka-Feier

Hamburg. Gerade ein halbes Jahr ist es her, dass Daniel Haw, Leiter des jüdischen "Theater Schachar", mit Optimismus in die Zukunft blickte. Das ehemalige Ufa-Kino "Studio Bernstorffstraße" stand schon eine Weile leer (und tut es immer noch), und Haw hatte ein Konzept ausgearbeitet, das die gemeinsame Nutzung der Räume mit einem Kino, einer israelischen Weinhandlung, der Galerie Thomas Levy und einer Buchhandlung mit Judaika vorsah.

"Ich wollte die Vermittlung jüdischer Kultur in einem Haus, das allen zugänglich ist", erklärt Haw heute, und das resignierte Schulterzucken ist seiner Stimme anzuhören. Denn nicht nur scheiterte dieser Plan an der fehlenden Finanzierung, auch die Unterbringung seines Theaters in den Räumen des "Bündnisses Türkischer Einwanderer" im Altonaer "Haus 7" steht aus demselben Grund auf dem Spiel.

"Wir werden die Spielstätte jetzt hauptsächlich als Produktionsstätte nutzen und lediglich die Premieren dort begehen. Ansonsten rechnen sich nur auswärtige Gastspiele", bedauert Haw. Auch auf die Herausgabe eines Monatsprogramms wird er in den nächsten Monaten verzichten müssen. Ein Teufelskreis: Je weniger die Existenz des Theaters kommuniziert wird, desto weniger Geld kommt herein. Dennoch wird das "Schachar" an diesem Sonntag trotzig hell erstrahlen: Das Theater lädt zur großen Chanukka-Feier.

Das jüdische Lichterfest in den Räumen des türkischen Einwanderer-Vereins steht dabei vorrangig im Zeichen der Verständigung zwischen den Kulturen. Haw weist ausdrücklich darauf hin, dass "kein Konfessionszwang" bestehe. Entsprechend vielfältig ist das Programm: Es werden ein jüdischer und ein türkischer Chor auftreten, die Sängerin Larissa Dekhtiar populäre israelische und türkische Lieder präsentieren, und auch der Kantor der Jüdischen Gemeinde Bad Segeberg ist mit einem musikalischen Beitrag geladen.

"Chanukka", das hebräische Wort für "Weihe" oder "Einweihung", ist ein historischer, kein von der Thora vorgegebener Feiertag und geht zurück auf den erfolgreichen Aufstand der Makkabäer gegen die griechische Besatzung im zweiten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Für die anschließende Reinigung und Neueinweihung des Tempels war nur eine winzige Menge des benötigten reinen Öls übrig, gerade genug für einen einzigen Tag. Der Legende nach aber brannte der Leuchter dennoch wundersame acht Tage, so dass Zeit blieb, unter Beachtung der biblischen Vorschriften neues Öl herzustellen. In Erinnerung daran wird auch heute noch acht Nächte lang je eine weitere Kerze pro Abend in einem speziellen Leuchter, der achtarmigen Chanukkia, entzündet. Ölspeisen wie Krapfen oder die Kartoffel-Reibekuchen "Latkes" sind als symbolisches Backwerk besonders beliebt.

Mittlerweile spielt Chanukka in den meisten jüdischen Haushalten eine größere Rolle als seine religiöse Bedeutung eigentlich rechtfertigt. Einer der Gründe ist der zeitlich nahe christliche Weihnachtsrummel. Und obwohl sie Weihnachten nicht feiern, müssen jüdische Kinder nicht auf Geschenke verzichten: Sie dürfen sogar an jedem der acht Abende etwas auspacken.

Vor allem aber sind die Chanukka-Tage eine Zeit freundschaftlicher und familiärer Zusammenkünfte, eine Zeit der Besinnung und neuer Hoffnungen für die Zukunft. Auch in diesem Sinne wird Daniel Haw im Theater feiern: "Ich gebe die Idee ,Schachar' nicht auf."

Chanukka-Party am 21. 12., ab 20 Uhr im "Theater Schachar" im "Haus 7" (Hospitalstr. 111), Eintritt 10/ermäßigt 6 Euro inkl. Büfett, Anmeldungen unter Tel.: 38 89 60 oder per E-Mail an hawdanielhaw@aol.com.

Für den Erhalt des Theaters und zur Deckung der laufenden Kosten bittet Daniel Haw um Spenden für sein Theater. Spendenkonto: Theater Schachar, Hamburger Sparkasse BLZ 200 505 50, Kontonummer: 1250 126 701