Ein Kunsthistoriker als Kulturbeamter: Volker Plagemann tritt ab

Hamburg. Auch wenn er sich in seiner langen Amtszeit nicht immer nur Freunde gemacht hat, war er über mehr als zwei Jahrzehnte eine Konstante in der Hamburger Kulturpolitik. Ein Mann, mit dem man immer rechnen musste und an dessen kunstgeschichtlicher Sachkenntnis ohnehin niemals Zweifel aufkamen: Nach 23 Jahren als "leitender Fachbeamter" der Kulturbehörde ist Volker Plagemann Ende November in Ruhestand gegangen.

Das geschah beinahe sang- und klanglos, denn eine "staatliche Verabschiedungsveranstaltung" lehnte der Mann, der wann immer es geht, mit Hut in Erscheinung tritt, ausdrücklich ab. Plagemann wurde 1938 in Hamburg geboren, studierte zunächst Musik, später Kunstgeschichte und promovierte über die Geschichte der deutschen Kunstmuseen. In seiner Habilitationsschrift beschäftigte er sich 1973 mit "Denkmälern und Brunnen in Hamburg". Seit 1975 ist er Privatdozent, seit 2001 Professor für Kunstgeschichte an der Universität seiner Heimatstadt.

Von 1973 an leitete er die Bremer Kulturverwaltung, bis er 1980 als Senatsdirektor an die Kulturbehörde Hamburg wechselte. Plagemann war seit 1973 Mitglied des Kulturausschusses der Kultusministerkonferenz und seit 1990 außerdem Vorsitzender des Kulturausschusses des Deutschen Städtetages.

Als Kulturpolitiker engagierte er sich u. a. für die hamburgische Filmförderung, für "Kunst im öffentlichen Raum", die Etablierung von Arbeitsstipendien für bildende Künstler, die Grabungen am Domplatz, die Gründung eines hamburgischen Architekturarchivs, die Entwicklung der Kunstmeile sowie für zahlreiche weitere Projekte.

Wohl am nachhaltigsten dürfte jedoch seine publizistische Tätigkeit sein. In zahlreichen Veröffentlichungen beschäftigte er sich vor allem mit der Kulturgeschichte Hamburgs - vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Längst ein unverzichtbares und viel zitiertes Standardwerk ist seine "Kunstgeschichte der Stadt Hamburg" (1995), in der er - im Quellenstudium profund, im Urteil treffend und dazu auch noch gut lesbar - die erste Gesamtdarstellung zu diesem Thema lieferte.