Das Russische Nationalballett gastiert im Schauspielhaus

Alle Klischees über Ballett aufs Schönste bestätigt

Es macht keinen Spaß über zweitklassige Gastspiele meckern zu müssen. Ein Großteil des Publikums kommt offenbar doch immer...

Hamburg. Es macht keinen Spaß über zweitklassige Gastspiele meckern zu müssen. Ein Großteil des Publikums kommt offenbar doch immer auf seine Kosten. Auch wenn es hohe Preise für eine vergleichsweise billige Darbietung bezahlen muss. Bei den Ballett-Tagen 2008 in der Staatsoper war gerade eine Moskauer Fassung von Tschaikowskis "Schwanensee" zu sehen gewesen. Nun bot das Russische Nationalballett eine gestraffte Sparversion. Statt der 24 Schwäne tanzten nur 18, aber mehr hätten auf der Bühne des Schauspielhauses auch nicht Platz gefunden. Sie zählten übrigens noch zu den Lichtblicken in der ansonsten die Klischees von Ballett nicht ohne Effekt bestätigenden Aufführung.

Golden glänzt das Licht über einer Schloßfassade. Die Kostüme glitzern und leuchten in Kitschrosa oder Weiß. Die Herren tragen die obligaten engen Strumpfhosen, die Damen Tellertutus. Ein entzückendes Märchenbild, das die miserable Soundqualität der Musikkonserve allerdings trübt. Der springlustige Hofnarr (Khasan Usmanov) sorgt mit Grätschsprüngen, Kapriolen und Pirouetten für gute Laune beim Publikum aber nicht auf der Bühne. Hier wird lustlos posierend Choreografie exerziert. Erst im Volkstanz-Divertissement nach der Pause kommt etwas lebendiger Schwung ins Ensemble und in Yuri Wyskabenkos schlafmützigen Prinzen Siegfried, der schließlich doch noch mit temperamentvoller Sprungkraft überrascht.

Ohnehin rettete der Grand Pas de deux des "Schwarzen Schwans" im dritten Akt den Ruf der russischen Tanzkunst. Natalia Kungurzeva fühlt sich in der aggressiv erotischen Rolle von Odile sichtlich wohler als in jener der lyrischen Schwanenprinzessin Odette. Elegant kann sie ihre Virtuosität ausspielen, meistert souverän ihre Soli-Tour de force und peitscht mit dem Spielbein perfekte 30 Fouettes. Begeisterter Jubel.

Doch brillante Technik sollte nur die Basis sein für ein Ballett will es sich nicht mit Zirkusnummern begnügen. Das Hamburg Ballett ist darin dem russischen Ensemble ebenbürtig, erzählt aber, in den Choreografien von John Neumeier tanzend, noch dazu viel über die Figuren, ja es lebt sie im Tanz. Eine Ahnung davon gab nur Natalia Kungurzeva in ihrem großen Auftritt als Odile. (-itz)