Wochenrückblick: Mit Olli Dittrich, Jon Flemming Olsen und Franz Jarnach

Groupies an der Grillstation

"Dittsche - Das wirklich wahre Leben" kommt live aus Hamburg - ein Besuch bei den Dreharbeiten.

Hamburg. Um 22.53 Uhr kommt Dittsche des Weges - zu Fuß aus Richtung Mansteinstraße. Ohne Bademantel, Gummilatschen und Bierbuddel, sondern mit Rollkragenpullover, Winterjacke inklusive Pelzkragen, Gitarre, Schreibblock. Und mit bester Laune. Ein herzhaftes "Maaahlzeit!" in die Runde der Techniker, Fotografen und Fans, kurzer Klönschnack ("Mann, der HSV, das war ja wohl ganz großer Mist!"), dann wird die "Eppendorfer Grillstation" geentert. Chefvisite!

Schauspieler Jon Flemming Olsen alias Ingo steht geschäftig hinter der Theke; Schildkröte hockt schon am Bistrotisch, auf "dem" Holzhocker, aber noch in Zivil. Er hat Durst. Bierbuddeln werden gereicht; bis jetzt dürfen Jever oder Becks gelenzt werden. Plopp. "Das perlt aber." Herzliches Hallo!

Auch die vier Wachleute vor der Imbisstür wurden mit Handschlag begrüßt. Man kennt sich. Job der Männer unter der rot-weiß gestreiften Markise des Hauses Eppendorfer Weg 172: Allzu begeisterte oder bierselige Fans während Vorbereitung und Sendung vom Eintritt ins Allerheiligste abzuhalten. Lothar Naumann (65) steht seit drei Jahren auf Posten. "Bei gutem Wetter harrten hier schon hundert Dittsche-Fans aus", weiß er, "manche mit Bademantel und roten Gummilatschen."

Am Premierentag der elften Staffel (à zehn Sendungen), sind gut ein Dutzend aufmarschiert. Es ist bitterkalt. Olli Dittrich schnackt noch ein bisschen, die Stimmung ist formidabel. Noch 22 Minuten bis zum Anpfiff. Um 23.30 Uhr live im WDR, eine Viertelstunde zeitversetzt im NDR, Montagabend als Aufzeichnung im Ersten. Sechs antik wirkende Kameras sind in Position, drei Scheinwerfer ebenso. Allzu viel Werbung wird abgeklebt, ein rosa Plastikschwein auf der Theke platziert. Es gehört zum etwas anderen Wochenrückblick, steht aber sonst nicht im Laden. Auf einer schwarzen Tafel lockt: "Leberkäse mit zwei Spiegeleiern, Bratkartoffeln und Salat 4,90".

Nach kurzem Besuch im grünen Requisitenmobil auf dem Parkplatz vor dem Grill wird aus Olli der Dittsche. Mit Bademantel, Latschen, schlurfendem Schritt, leicht wirrem Blick, ein bisschen fern der Heimat: "Maaaahlzeit, Kinners!" Die Groupies reagieren begeistert.

Die Studentinnen Helena Hanke aus Eppendorf und Lisa Tangermann aus Finkenwerder sind Stammgäste. "Um ein bisschen Party und Spaß zu haben", sagen sie. Sie kennen sich aus dem Texas-Lightning-Fanklub, leider müssen die anderen Ladys heute Nacht passen.

Ein Wunder von Gewicht lässt das Duo ergriffen schweigen: Schildkröte hat seinen angestammten Platz verlassen, erscheint zum Luftschnappen vor der Tür. Ebenfalls allerbester Dinge. Die Mädels wissen, dass die originelle Type mit der Jacke aus Schildkrötenimitat eigentlich Franz Jarnach heißt, 65 Jahre alt ist, auf St. Pauli wohnt, exzellent Piano spielt, bekannt ist für Rockballaden, Filmhits und eigene Songs. Olli kenne er "ein halbes Leben" lang, sagt Schildkröte. Aus alten Musikerzeiten. Auf seiner Autogrammkarte steht der wirkliche Spitzname: Mr. Piggi. Schildkröte eilt zurück, mehr oder weniger. Einer der drei Techniker signalisiert: Jetzt geht's los! 23.30 Uhr.

Die Wachleute sperren den Bürgersteig mit Plastikband ab. Draußen, vor dem Friseurshop, bespricht WDR-Redakteur Holger Möllenberg mit Produktionschef Antonio Geißler Organisatorisches der kommenden Dittsche-Wochen. Durch die Fensterfront der Grillstation ist das Geschehen im Imbiss zu beobachten. Ingo gestikuliert, Schildkröte sitzt, Dittsche hat die Buddel angesetzt. Zu hören ist auf der Straße, logo, nichts.

Was dort niemanden stört. "Das Rätseln ist viel spannender", sagt Wolfgang Böhm, Student und Heizölfahrer aus Sasel. Mindestens 20-mal war er bisher als Kiebitz vor Ort. Aus den Athena Stuben gegenüber, auch schon einmal Heimat der Live-Übertragung, nahen zwei Gäste und gesellen sich zur munter plaudernden Fangemeinde.

Mitternacht. Sendeschluss. Kameras werden abgebaut, echtes Bier gezischt, das Gummischwein kommt zurück in die Tüte. Olli Dittrich schlendert raus, immer noch im Bademantel, schreibt Autogramme, posiert für private Fotos. Um 0.26 Uhr ziehen Dittsche, Ingo, Schildkröte & Co. "ein Haus" weiter - auf das finale Bier. "Halt die Klappe, ich hab Feierabend!" scherzt Schildkröte. So wie in der wirklichen Sendung.

Am Sonntag um 23.30 Uhr sind sie alle wieder da.