Die Stunde der Offiziere schlägt auch im ZDF

| Lesedauer: 4 Minuten
Barbara Möller

Guido Knopp wählt das Dokudrama zur Aufbereitung des 20. Juli 1944.

Breslau. "Eine ganz kleine Clique ehrgeiziger, gewissenloser und zugleich verbrecherischer, dummer Offiziere" habe versucht, ihn zu beseitigen, hat Hitler am Abend des 20. Juli 1944 über Rundfunk verkündet. Und hinterhergegiftet, man werde mit den Attentätern so abrechnen, "wie wir das als Nationalsozialisten gewohnt sind!" Der Rest ist Geschichte. Die standrechtliche Erschießung Claus Schenk Graf von Stauffenbergs und seiner engsten "Mitverschwörer" noch in derselben Nacht, die von Roland Freisler geführten Schauprozesse in den Wochen danach. Der zeitliche Abstand zu den Ereignissen des 20. Juli ist inzwischen gewaltig, und bevor sie uns ganz entrücken, unternehmen die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten noch einmal, vielleicht zum letzten Mal, große Anstrengungen, das historisch Gewordene plastisch zu machen. Weil nächstes Jahr wieder ein "Vierer-Jahr" ist, wie es Guido Knopp formuliert. Während sich die ARD für reine Fiction entschieden hat - Regisseur ihres "Stauffenberg"-Films ist Jo Baier (siehe unten) -, versucht es das ZDF mit einer Mischung aus Fiktion und Dokumentation, dem so genannten Dokudrama. Titel: "Das Attentat - Die Stunde der Offiziere". Die Oberleitung hat Knopps Redaktion für Zeitgeschichte, Produzent ist Ulrich Lenze, das Drehbuch hat Hans-Christoph Blumenberg geschrieben, und Regie führt Hans-Erich Viet. Gedreht wird auf einem Militärgelände bei Breslau. Und dort kommt es mitunter zu heiklen, manchmal auch schrägen Begegnungen. Etwa, wenn sich polnische Offiziere plötzlich Deutschen in Wehrmachtsuniformen gegenübersehen. "Diese Blicke!", sagt Schauspieler Klaus Behrendt dazu nur. Oder wenn sie sich mit dem Hitler-Darsteller, einem polnischen Statisten, fotografieren lassen. Überhaupt ist das Ganze irgendwie bizarr. Ein deutsches Filmteam baut das ostpreußische Führerhauptquartier "Wolfsschanze" in Polen nach, und dann auch noch ausgerechnet in dem Teil, der einmal schlesisch, also deutsch, gewesen ist. Während man Behrendt alias Rudolf-Christoph von Gersdorff deutlich ansieht, dass ihm der Drehort mulmige Gefühle bereitet - "Von den Polen hat doch jeder seinen eigenen Film im Kopf . . . " -, gibt sich der Hamburger Produzent Lenze betont pragmatisch. Es sei nicht das erste Mal, dass er in Polen drehe, sagt der ausgewiesene Dokudramen-Spezialist ("Todesspiel", "Der Aufstand"), und im Übrigen könne man dort besser sehen, wo das Geld bleibe: "Solche Uniformen hätte ich in Deutschland gar nicht bezahlen können." Viet und Knopp ringen derweil um die historische Wahrheit. Hat Stauffenberg General Keitel tatsächlich ins Ohr geflüstert "Ich muss noch mal telefonieren!", bevor er die Baracke verließ? Dazu hätte er immerhin um den Tisch herumgehen müssen. Und: Hat er die Tasche mit der Bombe links oder rechts neben den Tischsockel geschoben? Bei der Beantwortung dieser Fragen, sagt Viet, handele es sich um eine Art "experimentelle Archäologie". Das ZDF-Dokudrama wird zu zwei Dritteln aus Spielszenen bestehen. Das ist dem Umstand geschuldet, dass es von Stauffenberg keine Ton- und Filmdokumente gibt. Wie hat er gesprochen? Wie hat er sich bewegt? Man weiß es nicht. Und eine, die es noch erzählen könnte - Stauffenbergs Witwe Nina -, hat sich allen Interview-Wünschen verweigert. Man werde sich, so Knopp, in diesem Fall eben mit alten Aufnahmen behelfen. Zu Wort kommen neben Freya von Moltke und Paula Reichwein nun auch Ewald von Kleist und Freya von Boeseler, außerdem hat Knopps Zeitzeugen-Redaktion zwei Wachposten ausgegraben, die das gescheiterte Attentat auf die "Wolfsschanze" 1944 miterlebt haben. Ergänzt wird das Ganze in probater Manier durch kurze Wochenschau-Szenen. Guido Knopp sieht im Dokudrama die ideale Form für die filmische Aufbereitung des 20. Juli. Es habe eben "den Charme der Authentizität". Im Übrigen, meint er lässig, sei es ja kein Geheimnis, dass die Konkurrenz-Produktion der ARD finanziell besser ausgestattet sei - mit fünf Millionen Euro im Vergleich zu 1,7 Millionen Euro. Wichtiger sei ohnehin der Sendetermin. Das ZDF will seine Stauffenberg-Produktion "Das Attentat - Die Stunde der Offiziere" im Juni 2004 ausstrahlen.