Brückenschlag von Hamburg nach China

Kunstprojekt: Zwei Hamburger haben eine Vision für die HafenCity: das "Chinator". Studenten aus Shanghai wollen daran mitwirken.

Hamburg. Am Kanal könnte eine Art überdimensionaler Setzkasten stehen, angefüllt mit Objekten von etwa 40 bis 60 chinesischen Kunststudenten, Meisterschülern der Shanghaier Tongji-Universität. Das Relief würde aus Granit bestehen und als zentraler Ausgangspunkt der so genannten "Lebensnerven" dienen - langen, festen Tauen, die sich hoch über dem Wasser wölben. Nicht weit entfernt stünde eine Skulptur mit der Bezeichnung "Kopffüßler", eine dem chinesischen Schriftzeichen für "Mensch" nachempfundene Plastik, die Besuchern den Weg zu dem Ganzen weist, den Weg zum "Chinator", einer künstlerischen Zukunftsvision für die Hamburger HafenCity. Die Idee zu diesem ehrgeizigen Projekt stammt von Ulf Ludzuweit, einem freien Künstler aus Aumühle, der seit seinem Studienaufenthalt 1989 in Shanghai die dortige Kunstszene kennen und schätzen gelernt hat. "Shanghai ist Hamburgs Partnerstadt, der HafenCity geht es darum, Investoren aus China zu werben" , begründet Ludzuweit sein Vorhaben. "Deshalb kam die Idee auf, eine Art ,Landmark' zu setzen, ein Signal, das zeigt: Wir wollen nicht nur euer Geld, ihr sollt euch willkommen fühlen!" Wo exakt das "Chinator" stehen soll, lässt der Künstler vorerst ebenso offen wie der Journalist Thomas Kiefer, mit dem gemeinsam Ludzuweit das Konzept erarbeitete. Auch der genaue Umfang - Größe, Breite, Statik - steht noch nicht fest und müsste den örtlichen Gegebenheiten angepasst werden. Alles weitere ist bereits sehr weit gediehen. Sogar der Kontakt zu den Shanghaier Partnern besteht, darunter Professor Liu Kemin von der Tongji-Universität, der schon für zahlreiche Außenkunstwerke in Beijing, Qufu und Shanghai verantwortlich zeichnete. "Wir warten jetzt nur noch auf ein positives Signal der Stadt", erklärt Kiefer. "Wenn uns das erreicht, kümmern wir uns um die Anschubfinanzierung." Woher die kommen soll, ist noch nicht geklärt. Bei einer Bauzeit "zwischen ein und zwei Jahren" würde das "Chinator" mit etwa einer halben Million Euro zu Buche schlagen, schätzt Ludzuweit. Den Großteil sollen Sponsoren tragen, um deren Akquise sich Kiefer wenig Sorgen macht: "Das Tor wäre ein ideales Symbol für den ökonomischen Brückenschlag zwischen Hamburg und China." Auch die Hamburgische Gesellschaft für Wirtschaftsförderung habe Interesse bekundet. Deren Projektmanager Stefan Matz bestätigt "Sympathie", schränkt aber zugleich ein: "Ob wir für eine Förderung die richtige Institution sind, bleibt abzuwarten. Wir können möglicherweise ein gutes Wort einlegen, aber die Gelder müssten eher aus anderen Töpfen kommen." Die Kulturbehörde "begrüßt das Konzept grundsätzlich", kann aber vorerst auch nichts versprechen: "Die Idee müsste zunächst der Kunstkommission vorgestellt werden", erklärt Behördensprecher Andreas Ernst. Seit etwa einem halben Jahr bestünde aber guter Kontakt zwischen Kulturbehörde und den beiden Ideengebern, nur könne die Planung zurzeit nicht weiter voranschreiten, "da die Planungen für das Areal noch nicht abgeschlossen sind". Zudem sei angedacht, so Ernst weiter, "dass sich noch andere Künstler zur Realisierung der Gestaltung bewerben" könnten. Dagegen haben Kiefer und Ludzuweit nichts einzuwenden: "Die Idee, möglichst viel Künstler mit einzubeziehen, ist gut. Aber es sollte sich dabei schon um Leute handeln, die sich bereits mehrere Monate in China aufgehalten oder dort schon gearbeitet haben." Eine weitere Möglichkeit wäre, das "Chinator" mit einem Platz zu verbinden, auf dem Wechselausstellungen stattfinden könnten. An kreativen Vorstellungen und Alternativen mangelt es also nicht, und die Einrichtung eines "China-Zentrums" in der HafenCity wird ohnehin längst diskutiert. "Wir warten jetzt auf die Entscheidung der Stadt", erklärt Ulf Ludzuweit. "Den chinesischen Künstlern juckt es nämlich schon in den Fingern!"