Bertelsmann kauft Buchverlag Ullstein Heyne List

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Armgard Seegers

Verkauf durch Axel Springer verändert deutschen Buchmarkt.

Hamburg. Bertelsmann/Random House, eines der größten Medienunternehmen der Welt mit Heimat in Gütersloh und Firmensitzen in 51 Ländern der Welt, hat die Buchverlagsgruppe Ullstein Heyne List vom Axel Springer Verlag rückwirkend zum Jahresanfang erworben. Damit geht das Konzentrationsgeschäft in der Buchbranche, die im vergangenen Jahr ein Gesamt-Minus von 3,9 Prozent verzeichnete und mit weiteren Umsatzeinbrüchen rechnet, weiter. Für die Ullstein Verlagsgruppe, die im Jahr 2002 mit 178 Millionen Euro den zweitstärksten Umsatz aller deutschen Publikumsverlage vorweisen konnte - unter anderem dank der 500 000 verkauften Exemplare, die Dieter Bohlens "Nichts als die Wahrheit" dem Heyne Verlag bescherte oder Oriana Fallacis Bestseller "Die Wut und der Stolz" -, sah der Axel Springer Verlag dennoch keine attraktive Renditeperspektive. Allein im Jahr 2001 waren Verluste von 46 Millionen Euro aufgetreten. Insbesondere der Ankauf von teuren Rechten hatte sich in den letzten Jahren negativ auf die Bilanzen ausgewirkt. Eine "Beatles Anthology" etwa, die Ullstein zu enormen Vorschüssen erwarb, konnte ihr Geld nicht wieder einspielen. "Das Buchgeschäft wurde zur Renditebremse für das Kerngeschäft", heißt es aus dem Axel Springer Verlag, und das Kerngeschäft, das sind nun mal die Zeitungen und Zeitschriften, auf die man sich konzentrieren will. Die Übernahme der zweitgrößten Buchverlagsgruppe durch die größte (Random-House-Umsatz 2001: 243 Millionen Euro) gilt als das bedeutendste Geschäft auf dem deutschen Buchmarkt in der Nachkriegszeit. Zu Random House/Bertelsmann (u. a. RTL, Gruner + Jahr, BMG Music, die Verlage Berlin, Blessing, btb, Goldmann, Luchterhand) werden nun auch die Verlage Econ, Ullstein, List Claassen, Propyläen gehören und damit Autoren wie Stephen King, John Grisham und Tom Clancy. 30 Prozent Marktanteil entstehen so bei den populären Unterhaltungsromanen und Sachbüchern, knapp 50 Prozent wird nach der Elefantenhochzeit der zukünftige Anteil von Random House bei den renditemäßig attraktiven Taschenbüchern ausmachen. Möglicherweise entsteht wegen der marktbeherrschenden Stellung ein Fall fürs Kartellamt, doch das soll nun allein Sache von Random House sein. Warum sich das für Random House anders als für Ullstein Heyne List tatsächlich rechnen könnte? Random House ist international und multimedialer ausgerichtet. Das spart Kosten beim Rechteankauf und sichert Erträge bei der Zweit- und Drittverwertung, etwa durchs Fernsehen. Die Verlagsgruppe Ullstein Heyne List ist zu großen Teilen das Produkt des Unternehmergeistes eines Einzelnen: Christian Strasser. Strasser, der in Hamburg Buchhändler lernte, ist der Sohn des Hamburger Verlegers Christian Wegner, der die erste kommentierte Goethe-Ausgabe herausbrachte. Stiefbrüder Strassers sind der ehemalige Rowohlt-Verleger Matthias Wegner und der Gründer der Statt-Partei, Markus Wegner. Christian Strasser, der es in den USA zum "selfmade man" und Vizepräsidenten von Time Life brachte, kaufte nach seiner Rückkehr nach Deutschland die Verlage List, Claassen und Econ und brachte unter anderem Monica Lewinsky als Autorin heraus - nicht unbedingt mit finanziellem Erfolg. Mit viel Unternehmergeist und neuen Marketingstrategien machte Strasser aus drögen Ratgeberprogrammen Stammhäuser für Unterhaltungsautoren. 1998 wurde sein Verlagshaus vom Axel Springer Verlag gekauft. Im Jahr 2001 kam dann auch noch der Rolf Heyne Verlag hinzu. Christian Strasser wurde verlegerischer Geschäftsführer und kaufte unter anderem die Memoiren von Bill Clinton mit einem Vorschuss in Millionenhöhe ein.