Hamburgische Staatsoper

Enormer Erfolg für das Tanzgedicht "Renku"

Yuka Oishi und Orkan Dann, Tänzer in John Neumeiers Ballett, begeistern mit einem choreografischen Debüt, bei dem alles stimmte.

Hamburg. Hamburg Kinderspiele, geheimnisvolle Brett- und Kartenspiele und über die Bühne fliegende Kraniche in schwarzen, spitz ausgefransten und flatternden Tütüs: Um die wechselvollen Spiele im Leben und in der Natur geht es im hinreißenden Tanzgedicht „Renku“ der beiden choreografischen Newcomer Yuka Oishi und Orkan Dann. Ihnen gelang auf allen Ebenen – Bewegungsvokabular, japanisch stilisiertes Bühnenbild und kontrastreiche Musikauswahl – eine vielschichtige und überraschende Inszenierung. Keineswegs eine Selbstverständlichkeit, wenn zwei Jungköche am Werk sind.

Großer Anteil am Erfolg gilt jedoch auch dem jungen Modedesigner Michael Court mit seinen einfarbigen Kreationen in Rot, Schwarz und Weiß. Sie sind effektvoll und behindern dennoch nicht die Tänzer, die sich in Höchstform präsentieren. Den Solopaaren – Silvia Azzoni und Lloyd Riggins (mit einem atemberaubend schnell gedrehten und gesprungenen Solo), Hélène Bouchet und Carsten Jung, sowie dem roten Kranich-Paar Patricia Tichy und Edvin Revazov –ist auch der Spaß an den mal humoristischen, dann wider lyrischen oder rasanten Tanzspielen über die Erfahrung der Liebe und des Todes anzumerken.

Auch musikalisch ließ der Abend unter Christoph Eberles Leitung nichts zu wünschen übrig. Der Sologeiger Robert McDuffie, für den Philip Glass das 2. Violinkonzert komponierte, spielt als Gast auf seiner Guarneri del Gesù aus dem Kopf und erntete für seine souveräne Virtuosität lautstarke Bravos. Auch das Kammermusik-Ensemble der Philharmoniker brilliert in der Interpretation der Sonaten und Klavierquintett-Sätze von Alfred Schnittke – wie auch das Orchester bei Franz Schuberts „Der Tod und das Mädchen“ in Gustav Mahler klangsatter Fassung für Streicher oder den jagenden Rhythmen des Glass-Konzerts.

„Renku“ erweist sich als ein Ballettwerk, das den Zuschauer zwar fordert, sich eigene Gedanken zu machen, weil es keine explizite Handlung bietet. Es entfaltet jedoch durch Kontraste und Brüche in der Bewegungssprache und den Tempi vor allem im zweiten Teil Dynamik und einen faszinierenden Sog. Diese überzeugende Glanzleistung macht neugierig auf weitere Arbeiten.

„Renku“ 19. u. 29.6., 19.30, Staatsoper (U Gänsemarkt), Dammtorstraße, Karten von 4,- bis 79,- unter T.356868; die 38. Hamburger Ballett-Tage dauern noch bis zum 1. Juli, es sind nur mehr wenige Karten erhältlich; www.hamburgische-staatsoper.de , www.hamburgballett.de