Filmfest

Das "Japan Filmfest" bringt neue Kinokost aus Fernost

Das japanische Filmfest bringt vom 23. bis 27. Mai mehr als 100 Filme auf vier Hamburger Leinwände. Es findet zum 13. Mal statt.

Hamburg. Zweimal "Harry Potter", einmal "Pirates of the Caribbean" - auch in Japan führt das Hollywood-Kino die Jahreshitliste 2011 an - mit Abstand. Doch dieser erste Eindruck täuscht, denn die japanische Filmindustrie ist nicht nur groß, sie bringt auch Jahr für Jahr in den verschiedenen Genres unbedingt Sehenswertes hervor. Das Ergebnis findet nicht nur in der Heimat, sondern auch im Ausland ein begeistertes Publikum. Vor diesem Hintergrund ist es passend, dass das "Japan Filmfest Hamburg 2012" bereits in seine 13. Auflage geht und nicht nur für ausgesprochen Japanophile ein interessantes Programm zu bieten hat.

Dass die Ereignisse von Fukushima Eindruck hinterlassen würden, war zu erwarten - und so sind zahlreiche Filme zu sehen, die die Katastrophe entweder dokumentieren oder als Vorlage für eine Spielfilmhandlung nehmen. Etwa der Actionthriller "Black Dawn", eine Weltpremiere, die das Filmfest am 23.5. im Metropolis eröffnet und von Terroristen erzählt, die das Chaos nach dem Tsunami für ihre Zwecke nutzen wollen. Ein Familiendrama hingegen ist "A gentle Rain falls for Fukushima" (27.5., 3001), das in der zerstörten Region gedreht wurde und Hoffnung spendet, weil es die Kraft menschlicher Bindungen angesichts einer äußeren Bedrohung thematisiert. Streng dokumentarisch: "Radioactivists" (25.5., Projektor), eine Bestandsaufnahme der sich langsam entwickelnden Anti-Atom-Bewegung in Japan.

In gewisser Weise passen auch die beiden "Godzilla"-Filme, die im Rahmen des Festivals laufen, in diese Reihung, hat das japanische Kino doch immer schon auf traumatische Ereignisse leicht verschlüsselt reagiert. Und sich etwa des berühmten Echsenmonsters bedient, um die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki aufzuarbeiten. Ein Fest für Fans: Regisseur Kazuki Omori, der 1989 "Godzilla vs. Biollante" und 1991 "Godzilla vs. King Ghidorah" drehte, kommt nach Hamburg und stellt sich am 26.5. im Metropolis den Publikumsfragen.

Natürlich ist das "Japan Filmfest" wie in den letzten Jahren breit aufgestellt, zeigt Komödien und Dramen, Dokumentationen und abermals Kurzfilme aus Hamburgs Partnerstadt Osaka. Traditionell nehmen auch Action- und Horrorfilme breiten Raum ein, und da darf natürlich der Samuraifilm nicht fehlen. Besonders spektakulär: "Hara-kiri - Death of a Samurai", Takashi Miikes Remake des gleichnamigen Klassikers von Masaki Kobayashi, eine blutige Frischzellenkur für das legendäre Original in der Tradition spektakulärer Neuverfilmungen wie "13 Assassins" (ebenfalls von Takashi Miike) oder "Zatoichi" (von Takeshi Kitano).

"Hara-kiri" ist demnächst auf DVD und Blu-Ray zu haben; doch ein solch bildgewaltiges Epos, bis zum Rand angefüllt mit atemberaubenden Kampfkunstszenen, gehört natürlich zunächst einmal auf die ganz große Leinwand. Falls immer noch ein Grund für den Kinobesuch fehlt: Die Musik stammt von Ryuichi Sakamoto, der schon die preisgekrönten Soundtracks für "Furyo - Merry Christmas, Mr. Lawrence", "Der letzte Kaiser" und "Little Buddha" komponierte. Um aus mehr als 100 Produktionen die interessantesten herauszufiltern, ist das kostenlose Programmheft hilfreich, doch zwei Tipps schon an dieser Stelle: Regisseur Makoto Shinkai gilt als legitimer Nachfolger von Oscar-Preisträger Hayao Miyazaki ("Chihiros Reise ins Zauberland"), weil seine Anime-Filme sich durch brillante Optik und eine vielschichtige Story auszeichnen. "Children who chase lost Voices from deep below" (26.6., Metropolis) ist dafür ein gutes Beispiel; hier hört die kleine Asuna eines Tages Stimmen aus dem Reich der Toten.

Eine japanische Version von Agatha Christies "Zehn kleine Negerlein" bietet hingegen "The incite Mill - 7-Day Death Game" (27.5., Metropolis), ein Psychothriller, der die Weltwirtschaftskrise spiegelt. Angelockt von der Aussicht auf ein fantastisches Honorar, lassen sich zehn Menschen für ein angeblich sozialpsychologisches Experiment in eine Art Bunker einsperren. Problem: Jeder von ihnen erhält eine Waffe, und jeder Tote bringt für die Überlebenden finanziellen Gewinn ... Das verspricht ein spannendes Finale - und versetzt Hollywood-Blockbuster wie "Harry Potter" oder "Pirates of the Caribbean" mindestens für die fünf Festival-Tage in die zweite Reihe.

"Japan Filmfest Hamburg" 23.-27.5., Metropolis, 3001, B-Movie, Projektor; Tickets: 5,50 bis 8,-, Dauerkarte: 85,-/60,-; www.jfhh.de