Ab in den Osten

Die Komödie "Polnische Ostern" spielt mit deutsch-polnischen Vorurteilen

Doppelter Schicksalsschlag für Bäckermeister Werner Grabosch (Henry Hübchen): Erst kommt seine Tochter bei einem Unfall ums Leben, dann soll seine knuffige Enkelin Mathilda (Paraschiva Dragus) bei ihrem Vater Tadeusz (Adrian Topol) aufwachsen. Grabosch hat seinen Schwiegersohn noch nie leiden können - aus unterschiedlichen Gründen. Der wichtigste aber: Tadeusz ist Pole und lebt ausgerechnet in dem Wallfahrtsort Czestochowa, dem Mekka des polnischen Katholizismus. Grabosch muss Mathilda wohl oder übel ziehen lassen, doch er hat schon einen Plan. Zu Ostern knattert der Ungläubige mit seinem altersschwachen Mercedes (Vorsicht! Polenwitz!) nach Osten und nistet sich bei Tadeusz ein, auf der Suche nach Beweisen für nicht kindgerechte Haltung in Mathildas neuem Zuhause. Doch eine schöne Frau, Irena (Grazyna Szapolowska aus Kiesloskis "Ein kurzer Film über die Liebe"), bringt ihn auf andere Gedanken.

"Polnische Ostern" ist eine jener seit "Willkommen bei den Scht'is" so beliebten Culture-Clash-Komödien, in der das Gefälle zwischen Vorurteil und Toleranz für erleichternde Heiterkeit sorgt. Bei den Polen fallen einem sofort Klischees wie Autoklau, Plattenbau und ganz schön viele Katholiken (91 Prozent) ein, und man kann sicher sein, dass Regiedebütant Jakob Ziemnicki eine Weile darauf herumreitet. Natürlich ist alles halb so wild - Vorurteile sind dazu da, um revidiert zu werden. Und so eilt der Film in Siebenmeilenstiefeln auf sein Happy-End zu. Zum Glück ist Henry Hübchen einer dieser zurückgenommenen Komiker, die ihr vom Drehbuch auferlegtes Schicksal mit Fassung und stoischem Gesichtsausdruck tragen. Und die schöne Grazyna Szapolowska erdet den Film mit einer Gelassenheit, die den Zuschauer so manchen Unsinn und Klamauk vergessen lässt.

+++-- Polnische Ostern D 2011, 93 Min., ab 6 J., R: Jakob Ziemnicki, D: Henry Hübchen, Grazyna Szapolowska, Paraschiva Dragus, Adrian Topol, Violetta Bronner, Doris Kunstmann, täglich im Passage; Internet: www.zorrofilm.de