Wie es klingt, wenn Beethoven geheilt ist

Das international besetzte Belcea Quartet spielt mit dem Pianisten Piotr Anderszewski

Laeiszhalle. Es ist bis heute nicht ausgemacht, welchen Einfluss Ludwig van Beethovens fortschreitende Ertaubung auf seine späten Kompositionen hatte. Nirgends sind die Klüfte, die Schärfe, die Zerrissenheit der Tonsprache so verdichtet, geradezu exemplarisch zu erleben wie in seinen späten Streichquartetten, fünf kompletten Werken und einem Fugensatz.

Heute Abend spielt das Belcea Quartet das Quartett op. 132 a-Moll. Unter den späten Quartetten ist dieses noch vergleichsweise zugänglich - jedenfalls für heutige Ohren. Auch op. 132 ist von einer Komplexität, die die Zeitgenossen des Komponisten vollends verwirrte. Berühmt geworden ist das Werk weniger um seiner sinfonisch ausgreifenden Gesten oder der gesanglich-melancholischen Passagen willen als wegen des langsamen Satzes. Den überschrieb der just von einer schweren Erkrankung geheilte Beethoven mit den Worten "Heilige Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit" und setzte gleich hinzu: "in der lydischen Tonart", also mit der für die Kirchentonart typischen Erhöhung der vierten Tonstufe.

Wenige Ensembles sind so berufen, den Weltkreis dieses Stücks abzuschreiten, wie das Belcea Quartet. Fachleute sehen in der vielfach preisgekrönten Gruppe die legitimen Erben des großen Alban Berg Quartetts; in der nächsten Saison werden die Musiker, sie stammen aus Rumänien, Deutschland, Polen und Frankreich, sämtliche Streichquartette Beethovens aufführen.

Wie Beethovens Quartett ist auch das Klavierquintett g-Moll von Dmitri Schostakowitsch unter dem Eindruck einer persönlichen Krise entstanden. Der sowjetische Diktator Stalin hatte den unliebsamen Künstler nach dem Besuch einer Opernaufführung durch die kontrollierte Presse an den Rand des Ruins gebracht. Erst der große Erfolg seiner Fünften Sinfonie rehabilitierte den Komponisten und gab ihm Gelegenheit, sich der Kammermusik zuzuwenden - ein beglückender Schritt in eine neue musikalische Welt. Den Klavierpart übernimmt der kongeniale Piotr Anderszewski.

Piotr Anderszewski, Belcea Quartet heute, 20.00, Laeiszhalle (U Gänsemarkt), Johannes-Brahms-Platz. Karten zu 11,- bis 38,- unter T. 35 76 66 66; www.elbphilharmonie.de