Dreimal Morphium für Mathieu Carrière, er wollte es so

Hamburg. Scherben bringen Glück. Das vor der Premiere von "Letzte Runde - Freud im Fegefeuer" in der M&M-Bar des Maritim-Hotels Reichshof durch ein Ungeschick eines Kellners reichlich zu Bruch gegangene Glas hat trotzdem nichts geholfen. Das "Stück zum Totlachen" von Seth Yorra erwies sich als Flop am falschen Spielort. Auch Mathieu Carrière, der sterbenskranke Psychoklempner im Schlafrock, konnte nichts retten.

Tochter Anna - in der hübschen Gestalt des "Todesengels" und Serien-Blondchens Barbara Lanz ("Anna und die Liebe") - verabreicht ihrem Vater, der sie darum bittet, die drei letzten Morphium-Spritzen. Nach dem ersten Schuss gibt Carrière den aufgekratzten Entertainer, reißt schlechte Witze, schwenkt Whiskyglas und Zigarre. Wäre vielleicht der mögliche Weg gewesen, der letalen Situation komödiantisch beizukommen. Doch der Autor und Regisseur Yorra will's anders: Freud verfällt in Leiden, Erinnerungen und dozierende Abhandlungen über Geschichte, Literatur und Musik.

Es ist eine wahre Erlösung für den sich abrackernden Mathieu Carrière wie für das Publikum, als Anna die letzte Spritze setzt. Denn solch falsches Sterbetheater ist unfehlbar des Theaters Tod.

Letzte Runde - Freud im Fegefeuer 7.,8., 20.-22.5, 20.00, M&M-Bar im Maritim-Hotel Reichshof, Karten unter T. 24 87 13; www.schauspielhaus.de