Vertraute Klänge für das Überleben in der Diaspora

Die Zusammenstellung "Egypt Noir" vereint die Stars des nubischen Urban-Souls

Als 1964 der Assuan-Staudamm gebaut wurde, mussten 100 000 Nubier ihre Heimat verlassen und wurden in den Sudan bzw. nach Nord-Ägypten umgesiedelt. Hier, in der Diaspora, bekam die traditionelle nubische Musik eine ungeheure, identitätsstiftende Bedeutung, nahm aber auch neue Einflüsse auf. Vor allem in Kairo, wo viele der Vertriebenen strandeten.

Einer der größten Stars war der 2001 verstorbene Ali Hassan Kuban, der Millionen Kassetten verkaufte, bevor er im Westen entdeckt wurde und 1989 in Berlin seinen ersten internationalen Auftritt hatte. Mit einer Bläsersektion, E-Gitarre und sogar der indischen Tabla erweiterte Kuban sein musikalisches Spektrum, verarbeitete den Soulfunk eines James Brown ebenso wie kubanische Rhythmen.

Ihr bittersüßer Gesang schmiegt sich immer wieder in jazzige Bläsersätze

Und beeinflusste Generationen nachwachsender Musiker, die bis heute ihren Lebensunterhalt weniger durch öffentliche Konzerte als durch Auftritte bei tagelang andauernden Hochzeiten nubischer Familien verdienen. Zum Beispiel Salwa Abou und Fathis Abou Greisha, Nachkommen einer legendären Musikerfamilie, deren bittersüßer Gesang sich auf "Gammal" und "Galbi Et Atouf" in jazzige Bläsersätze schmiegt, die bisweilen klingen, als würden sie von einer Balkan-Brass-Band gespielt. Echte Weltmusik also.

Erstaunlich auch der Beitrag von Percussionist Mahmoud Fadl, lange Mitglied der Band von Ali Hassan Kuban. Sein Instrumental "United Nubians" ist nicht nur programmatisch betitelt, sondern erinnert gleichermaßen an die marokkanischen Master Musicians Of Jajouka und brasilianische Samba-Seligkeit. Ein ganz großer Wurf. Welchen Einfluss Fadl hat, zeigt übrigens ein Blick auf die Komponisten-Credits: Gleich bei sieben der zehn hier versammelten Tracks taucht sein Name auf. Und der garantiert wie immer für unwiderstehliche Melodien auf einem Album, dessen mitreißender Sound nicht nur bei nubischen Hochzeiten die Tanzfläche füllen dürfte.

"Egypt Noir" (Piranha/Indigo); www.piranha.de