Die Probleme des Max Goldt mit dem Kleingedruckten

Hamburg. "Können Männerblicke Brüste rösten?", fragt sich Max Goldt beim Anblick tief dekolletierter junger Damen. Und in der Ungezieferschar eines Billighotels erblickt er "ausreichend Kleindarsteller für einen abendfüllenden Tierfilm".

Dieses Gespür für prägnante Bilder und seine raffinierte Sprachkompositionskunst, gepaart mit einer mikroskopischen Beobachtungsgabe, haben dem Autor eine große Fangemeinde unter den Feinschmeckern filigraner Pointen beschert. Die kamen auch bei seiner Lesung in Alma Hoppes Lustspielhaus auf ihre Kosten, deren Textauswahl sich auf das 2009 erschienene "Zimbo"-Buch konzentrierte.

Goldts Kolumnen nehmen gängige Redensarten und scheinbare Banalitäten des Alltags unter die Lupe, um daran gesellschaftliche Entwicklungen abzulesen und sie einer ironisch-kritischen Betrachtung zu unterziehen: Gnadenlos zerpflückt er den Begriff des "kreativen Chaos" oder die "emotionale Intelligenz" ("gibt's nicht, gab's nicht, wird's nie geben!"), beschwert sich über die "allgegenwärtige Unlesbarkeit" des Kleingedruckten im Schummerlicht, oder er verteidigt die nützliche Umhängetasche gegen einen falschen Trendverdacht.

Zeitgeistliche Modeerscheinungen sind ihm zuwider - auch deshalb hat er schon immer mal politische Unkorrektheiten eingestreut. In den "Zimbo"-Texten scheint sich dieser Ton allerdings verschärft und vereinzelt eine kulturpessimistisch-konservative Verbitterung eingeschlichen zu haben: wenn er böse über Kommunisten, DDR und die Linke ätzt, sich über obdachlose Zeitungsverkäufer mokiert oder etwa Margaret Thatchers Errungenschaften lobt.

Doch, da hat sich was geändert bei Max Goldt, auch die Lust an der assoziativen Abschweifung wirkt etwas eingedämmt. Aber sein sprachlicher Witz und die stilistische Virtuosität sind nach wie vor beeindruckend.