Hilfe für bedürftige Menschen in Hamburg
Der Verein Hamburger Abendblatt hilft mit seinen Initiativen "Kinder helfen Kindern“ und „Von Mensch zu Mensch“ unterstützt sozial Schwache, Kranke und Behinderte in der Metropolregion Lesen Sie mehr »
Gutschein-Aktion

Tolle Ausflüge für bedürftige Kinder und Jugendliche

Reimund C. Reich ist der großzügige Spender der Gutschein-Aktion / FUNKE Foto Services

Reimund C. Reich ist der großzügige Spender der Gutschein-Aktion / FUNKE Foto Services

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services / MARCELO HERNANDEZ / FUNKE Foto Services

25.000 Euro gibt die Reimund C. Reich Stiftung für Eintrittskarten, die der Abendblatt-Verein an Jugend-Einrichtungen verteilt.

Langsam, fast vorsichtig nähert sich ein ärmlich gekleideter Mann dem Tisch auf der Terrasse des Lokals und spricht Reimund Reich leise an: „Haben Sie vielleicht ein paar Cent für mich? Ich habe Hunger.“ Der 86-Jährige schaut von seinem Essen auf und fragt den Mann, der sich als Stefan vorstellt, wo er wohne und was er vorher so gemacht habe. Fachmännisch plaudern die beiden über die besten Schlafplätze unter Brücken.

Reimund C. Reich kennt sich aus, seit Jahrzehnten unterstützt er schon mit seiner gleichnamigen Stiftung Wohnungslose in der Hansestadt. Für sie hat der Stifter ein besonders großes Herz. Deswegen gibt er Stefan auch 50 Euro und seine Visitenkarte mit den Worten: „Wenn Sie Hilfe benötigen, wenden Sie sich an mich.“ Stefan ist sprachlos und sichtlich tief berührt. „Danke und Gottes Segen, davon kann ich eine Woche lang leben“, sagt er und geht lächelnd davon.

Rund eine Million Euro für soziale Projekte pro Jahr

Reimund C. Reich gibt gern und viel, rund eine Million Euro schüttet seine von ihm geführte Stiftung pro Jahr an Projekte in Hamburg aus, die sehr arme Menschen unterstützen. Zu seinen Lieblingsprojekten gehört die „Praxis ohne Grenzen“, die Bedürftige ohne Krankenversicherung behandelt. Dort hat Reich die Praxisausstattung mit finanziert.

Und gerade baut er in Sülldorf ein fünf Millionen Euro teures Haus mit 20 Wohnungen für von Gewalt bedrohte Frauen, die aus einem Hamburger Frauenhaus kommen und in eine eigene Bleibe ziehen möchten. „Meine Stiftung hilft Menschen in Not“, sagt er. So war Reich auch der größte Einzelspender bei der Lebensmittel-Gutscheine-Aktion des Abendblatt-Vereins während des Corona-Lockdowns im Frühjahr dieses Jahres. Seine Stiftung spendete dafür 125.000 Euro.

Reich möchte bedürftigen Kindern eine Freude machen

Jetzt möchte Reimund Reich mit weiteren 25.000 Euro Kindern und Jugendlichen eine Freude bereiten, „die durch Corona viel gelitten haben und auch in den Ferien wegen Geldmangels zu Hause bleiben mussten. Sie sollen einen schönen Ausflug in den Tierpark Hagenbeck, ins Jump House oder ins Miniatur Wunderland machen können.“ Die Verteilung der Eintrittskarten läuft über den Verein „Hamburger Abendblatt hilft“, der diese an ihm bekannte bedürftige Familien und Jugendprojekte verteilt (siehe Kasten zur Aktion).

Gutes zu tun mache natürlich viel Spaß, sagt der Stifter, aber er findet auch, dass Eigentum verpflichtet – so stehe es schließlich im Grundgesetz. „Und ich kann mein Vermögen ja nicht aufessen“, sagt er lachend. Er ist keiner, der damit protzt. Sein Geld hat er sich redlich verdient – zunächst als Handwerker und später als Unternehmer.

Als Dritter von vier Söhnen eines Verwaltungsbeamten wurde Reich 1933 in Klein Flottbek geboren – seine Familie lebte gegenüber der Deutschen Werft. „Den Krieg haben wir hauptsächlich im Keller unseres Hauses verbracht“, erinnert er sich, und danach – als Zwölfjähriger – sah er sich verpflichtet, etwas zur Ernährung der Familie beizusteuern.

Erbettelte Kartoffeln in der Heide

Mit einem Ruderboot setzte er zum Alten Land über, um dort Fallobst aufzusammeln. „Doch die Altländer Bauern waren so geizig, dass ich mir schon damals geschworen habe, Ärmeren immer zu helfen, wenn ich kann.“ In der Heide hatte er mehr Glück, dorthin fuhr er außen auf dem Trittbrett der Eisenbahnzüge nach Buchholz und erbettelte Kartoffeln. „Meine Brüder haben sich das nie getraut, sie waren die Intellektuellen in der Familie, ich bin eher praktisch veranlagt“, sagt er lächelnd.

Meister als Schiffbauer und als Schiffszimmerer

Denn während sie später promovierten, verließ er mit einem Hauptschulabschluss die Schule, machte zwei Lehren und danach den Meister – erst als Schiffszimmerer und dann als Schiffbauer auf der Deutschen Werft. Dort arbeitete er im Konstruktionsbüro. „Boote zu bauen war immer mein Traum“, sagt Reich, der mit einem selbst gebauten Jollenkreuzer bis Göteborg fuhr und auch jetzt eine schöne Segeljacht besitzt, mit der er schon bis nach Grönland und Spitzbergen gesegelt ist. Segeln ist eine seiner Leidenschaften, neben dem Werken mit Holz.

Als er 31 Jahre alt war, gründete Reich eine Trockenbaufirma in Altona, die ihn zum wohlhabenden Mann machte. Er hatte zwischenzeitlich 340 Angestellte, verkleidete von innen die Flure des Altonaer Krankenhauses und mit verzinktem Blech den Abluftkanal des Elbtunnels. Die Firma Reich & Co. erhielt Großaufträge bis nach Saudi-Arabien, wo sie die königliche Empfangshalle eines Flughafens ausgebaut hat. Den Gewinn legte der Unternehmer in Gewerbeimmobilien an – sie sind nun Teil des Stiftungsvermögens. Mit den Mieteinnahmen finanziert er Projekte.

Privat ein Tiefschlag, als die Ehefrau stirbt

Beruflich ging es bergauf, doch privat erlebte Reimund C. Reich 1991 einen Tiefschlag: Seine Frau starb an Magersucht mit nur 41 Jahren. „Ich konnte ihr nicht helfen, das ist eine furchtbare Krankheit“, sagt er. Deswegen habe er auch leider keine Kinder – zum Glück aber seit vielen Jahren eine neue Liebe.

Die Firma hat der fitte Senior zwar schon vor 13 Jahren verkauft, im Ruhestand ist er deswegen noch lange nicht. Seine 2008 gegründete Stiftung hält ihn auf Trab. „Ich schaue mir jedes Projekt, das ich fördere, mit meiner Mitarbeiterin an und spreche mit den Bedürftigen. Ich bekomme so viel Dankbarkeit und bin mir sicher, das verhindert Demenz“, sagt der großzügige Spender.

Wer macht mit und wer profitiert von der Aktion

Der Verein Hamburger Abendblatt hilft hat Gutscheine im Gesamtwert von 25.000 Euro vom Tierpark Hagenbeck, Jump House und Miniatur Wunderland gekauft – alle diese Einrichtungen haben einen Rabatt gegeben, um diese Aktion zu unterstützen.

Die Gutscheine gehen an Hilfsinstitutionen, die der Abendblatt-Verein seit Jahren unterstützt und die ausschließlich bedürftige Kinder und Jugendliche sowie sozial schwache Familien betreuen. Darunter sind Frauenhäuser, das SOS-Kinderdorf, die Dollen Deerns und der Sozialdienst Kath. Frauen. Zudem gehen Karten an bedürftige Familien – vor allem an Alleinerziehende – die beim Abendblatt-Verein Hilfsanträge stellen.

Die Reaktionen auf die Aktion und die Vorfreude sind riesig:

„Ein Moment voller Spaß und Leichtigkeit für alle, herrlich“, schrieb Petra Fischbach von der Hamburger Kinder- und Jugendhilfe.

Samer Ismailat vom Verein St. Pauli Bats sagte: „Die Kinder aus den Flüchtlingsheimen, die wir begleiten, sind durch die Corona-Krise sehr stark belastet. Der Alltag besteht aus wenig positiven Erlebnissen und wachsender Langeweile, was zu mehr Streit führt. Diese Kinder freuen sich über jeden Ausflug. Er gibt ihnen das Gefühl, nicht vergessen worden zu sein.“

Yasmin Stüwe von den Familienhelden schrieb: „Wir begleiten Familien in besonders schwierigen Lebenslagen. Gerade durch die Pandemie sind viele an ihre Grenzen gestoßen. Mit den Eintrittskarten haben die Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit, gemeinsam mit ihren Eltern für kurze Zeit aus ihrem Alltag zu entfliehen und eine schöne Zeit miteinander zu verbringen. Danke dafür.“