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Live-Konzerte der Giganten: Diese Streams sollten Sie sehen

Lesedauer: 10 Minuten
Rufus Wainwright tritt gleich sechsmal live auf.

Rufus Wainwright tritt gleich sechsmal live auf.

Foto: Karlsson

Anna Netrebko, Rufus Wainwright, Berliner Philharmoniker oder David Guetta: An Live-Auftritten herrscht in diesen Tagen kein Mangel.

Hamburg. Es gibt Künstler, die man über Facebook tatsächlich ein wenig kennenlernen kann. Der kanadisch-US-amerikanische Songwriter und Komponist Rufus Wainwright zählt dazu. Seit der Pandemie ist er noch kreativer als sonst.

Mit täglichen Quarantunes-Konzerten im Morgenmantel fing es im vergangenen Frühjahr an, im September kam Hamburg in den Genuss zweier Ausnahme-Solo-Auftritte auf Kampnagel und nun gibt Wainwright mit zwei Musikern, dem Gitarristen Brian Green und dem Pianisten Jacob Mann, eine ganze Reihe von Live-Konzerten aus dem Wohnzimmer heraus.

Welt-Tournee findet virtuell statt

Vom 29. Januar bis zum 12. März sind Tickets (ab 17 Euro) für die virtuelle Welt-Tournee auch über die Kampnagel-Website erhältlich.

Wainwright war schon im vergangenen Jahr in aller Munde. Weil er mitten im bleiernen Lockdown eine motivierende Stimmung verbreitete und mit „Unfollow The Rules“ ein verzauberndes, Grammy-nominiertes neues Songwriter-Album herausbrachte.

„Diese extremen Situationen liefern Künstlern auch Ideen."

„Die Pandemie hat mich gezwungen, eine Reihe von Dingen zu überdenken. Tourneen wurden abgesagt oder verschoben. Ich hoffe, ich kann in diesem Sommer open air spielen, aber es gibt Anzeichen, dass das nicht möglich sein wird“, erläutert Rufus Wainwright per Mail.

Am ersten Tag des (ersten) Lockdowns begann er damit, einen Song am Tag auf Instagram zu spielen. „Diese extremen Situationen liefern Künstlern auch Ideen. Ich habe gleich mehrere Projekte gestartet, angefangen von Musicals bis zu Filmen und einer TV-Show. Vielleicht werden wir einige davon irgendwann erleben.“

Nächste Etappe der Welt-Tournee von Los Angeles aus

Das Album „Unfollow The Rules“ hat er in seinem Haus im legendären Laurel Canyon von Los Angeles geschrieben. Von hier aus wird er auch die nächste Etappe seiner virtuellen Welt-Tournee absolvieren. Sie beginnt an diesem Freitag mit „All Days Are Nights Part 2“.

Die Idee zu der Reihe hatte Wainwrights Ehemann, der Kulturmanager und gebürtige Hamburger Jorn Weisbrodt. „Es gibt viele Songs in meinem Katalog, von denen ich dachte, dass sie eine große Band verlangen.

Überraschungsgäste als Ersatz für echtes Publikum

Aber hier haben wir uns entschieden, nur zwei Bandmitglieder auf der Bühne zu haben“, sagt Wainwright. „Unser Wohnzimmer ist nicht so groß und wir wollten uns an die Distanz-Regeln halten.“ Die schmalen Arrangements, dargeboten vor seinem charmanten Bücherregal, haben sich bewährt.

Jedes Album stellt er in jeweils zwei Shows vor. Außerdem spielt er immer einen Coversong, den das Publikum sich wünschen darf und lädt Überraschungsgäste ein. „Ich möchte wenigstens eine Person im Raum haben, für die ich singen kann, wenn ich schon kein echtes Publikum haben darf“, erklärt Rufus Wainwright.

Rufus Wainwright outet sich als Joe-Biden-Fan

„Das gibt dem Ganzen eine interessante intime Note.“ „Glee“-Darsteller Darren Criss sang „Bridge Over Troubled Water“ von Simon & Garfunkel mit Wainwright, auch Schauspielerin Jamie Lee Curtis war schon da. Für die anstehenden „Out Of The Game“-Shows (5./12.2.) wird der US-Komiker Zach Galifianakis erwartet.

Rufus Wainwright, der sich immer auch politisch äußert, outet sich per Mail als Joe-Biden-Fan und ist voller Hoffnung angesichts des Präsidentenwechsels in den USA.

Wainwright liefer Updates über Facebook

„Ich hoffe, wir kehren zu Vernunft, Anstand, Wahrheit und Fakten zurück. Und finden Wege, die Leben derjenigen zu verbessern, die sich von diesen Idealen abgewandt haben.“ Das sei eine große Aufgabe, vergleichbar mit einer Therapie. Es brauche gewiss viel Zeit, bis sich Dinge ändern.

Was sich bei Wainwright ändert, ist auf Facebook zu verfolgen, etwa dass sein Mann und er sich kürzlich einen unglaublich süßen Hund (Siegfried) zugelegt haben.

Tickets für Tournee kosten 17 Euro

Wer auf der Suche ist nach warmherziger Lockdown-Energie, ist bei Rufus Wainwright jedenfalls immer richtig. Freunde erlesenen Songwritings und auch mal opernhafter Arrangements sowieso.

Rufus Wainwright 29.1., 12.2., 19.2., 26.2., 4.3., 12.3., jeweils 22.00, Tickets zu 17 Euro und Zugang über www.kampnagel.de

Auch David Guetta über Youtube streambar

Auf einer 200 Meter über dem Persischen Golf liegenden Hubschrauberplattform lässt es sich gut eine Party feiern, wenn man David Guetta heißt und der populärste DJ des Erdballs ist.

Auf eine Weltkarte aus künstlichen Inseln blickt der Franzose am 6. Februar bei seinem DJ-Set hoch oben auf dem Hotel Burj al Arab in Dubai hinab.

Guetta unterstützt Aktion „Education Uninterrupted“

Eine Benefiz-Show: Neben Beats pro Minute sammelt Guetta bei seinem kostenlos auf seinem YouTube-Kanal gestreamten Auftritt mit Unicef Spenden für die Aktion „Education Uninterrupted“, die die Ausbildung von Kindern aus einkommensschwachen Familien und die Ausstattung für Distanzunterricht in den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützen will.

Auch in einem der reichsten Länder der Erde kommt der Wohlstand nicht überall an.

David Guetta Sa 6.2., 15.00, Livestream: davidguetta.com, kostenlos, Spenden erwünscht

Berliner Philharmoniker treffen auf Daniil Trifonov

Was für eine Kombination: Live übertragen in ihrer Digital Concert Hall treffen die Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Kirill Petrenko auf Daniil Trifonov, einen der höchst gehandelten Pianisten unserer Zeit.

Auf dem Programm steht das Klavierkonzert Nr. 1 von Sergej Prokofjew, außerdem sind „Catamorphosis“ der isländischen Komponistin Anna Thorvaldsdóttir (eine Uraufführung!) und Josef Suks Tondichtung „Ein Sommermärchen“ zu erleben.

7-Tage-Ticket für 9,90 Euro

Mit dem 7-Tage-Ticket kann nicht nur dieses Konzert gesehen, sondern auch das komplette Philharmoniker-Archiv durchforstet werden.

Berliner Philharmoniker und Daniil Trifonov Fr 29.1., 20.00, Live-Stream unter digitalconcerthall.com, Ticket: 9,90 Euro (7 Tage)

Anna Netrebko: Auftritt wird aus der Spanischen Hofreitschule übertragen

Auch die Metropolitan Opera in New York macht aus der Not eine Tugend. Zwar ist die komplette Saison abgesagt, aber die Stars des Hauses sollen Opernliebhaber über die triste Zeit des Stillstands hinwegtrösten.

Am 6. Februar ist die Reihe an Anna Netrebko, deren Auftritt live aus der Spanischen Hofreitschule in Wien übertragen wird. Begleitet von Pianist Pavel Nebolsin singt sie Lieder – etwa von Strauss, Rachmaninoff, Rimsky-Korsakov, Debussy, Fauré – aber auch Arien aus „Pique Dame“ (Tschaikowski), „Louise“ (Charpentier) und „Hoffmanns Erzählungen“ (Offenbach).

Sa 6.2., 19.00, unter metstarslive. brightcove- services.com, Ticket: 20 US-Dollar (14 Tage abrufbar)

Yulianna Avdeeva spielte schon 36-mal live

In Sachen Klavier-Livestreams fällt den meisten vor allem (oder sogar: ausschließlich) Igor Levit ein, doch auch Yulianna Avdeeva hat seit dem ersten Lockdown im März Erstaunliches geleistet. 36-mal spielte sie auf ihren Kanälen bei YouTube und Facebook live, 1742 Minuten Musik waren das – und es geht immer noch weiter.

Derzeit interpretiert die russische Gewinnerin des Chopin-Wettbewerbs 2010 Johann Sebastian Bachs „Wohltemperiertes Klavier“ (Buch 2) und beantwortet jeweils donnerstags ab 19.30 Uhr auch die Fragen der Zuschauenden. Ein Fest für Klaviermusik-Liebhaber.

Yulianna Avdeeva jeden Do, 19.30, Links zu ihren Kanälen bei YouTube und Facebook unter avdeevapiano.com, kostenlos

Fado-Sängerin Mariza gibt Konzert in der New Yorker Town Hall

„Später wird sie singend durchs Publikum schreiten, zum Abschluss die Hände jedes Einzelnen schütteln, der in der ersten Reihe steht, und am liebsten hätte sie da wohl jedem der 2100 Besucher persönlich Danke gesagt für diesen Abend, der in kollektivem Jubel endet“ war im Abendblatt 2017 anlässlich des Elbphilharmonie-Auftritts von Fado-Sängerin Mariza zu lesen.

Das Publikum fehlt jetzt natürlich beim Konzert der Portugiesin in der New Yorker Town Hall, aber das Programm – Schwerpunkt: Klassiker von Fado-Legende Amália Rodrigues – dürfte in der Nacht auf den 30. Januar ähnlich mitreißend sein. Wer nachts lieber schläft: Der Stream ist für Kartenkäufer 48 Stunden lang abrufbar. Und die passende CD („Mariza Canta Amália“) bereits im Handel.

Mariza Sa 30.1., 2.00 (nachts), Stream-Zugang unter thetownhall.org, Ticket: 40 US-Dollar, (Das Konzert ist 48 Stunden abrufbar.)

Harry-Potter-Konzert entführt Zuschauer in eine magische Welt

Sehnsucht nach Eule Hedwig und Gleis Neundreiviertel? Nach der Zauberschule Hogwarts, seinen Lehrern und Schülerinnen? Dann ist „The Music Of Harry Potter“ vermutlich genau das Richtige. 90 Minuten lang entführt das Cinema Festival Symphonics Orchester mit einem Melodienreigen aus den Harry-Potter-Filmen und dem Theaterstück „Harry Potter und das verwunschene Kind“ in diese magische Welt.

Dazu gibt es auf dem heimischen Bildschirm die passenden Animationen. Der zu buchende Zugangscode kann für 12 Euro bis zum 28. Februar eingelöst werden und ist für 48 Stunden gültig.

„The Music Of Harry Potter“ bis 28.2., Tickets: 12 Euro, Infos: highlight-concerts.com/de/the-music-of-harry-potter

Thees Uhlmann steht im Pier2 auf der Bühne

„Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“, singt Thees Uhlmann und zieht am 3. Mai die Weser hinauf ins Pier2 für ein pandemiegerechtes Konzert in der Reihe „Club100“.

Ein Sitzplatzticket für Optimisten gibt es noch für 38,45 Euro, aber es gibt auch eine günstige Alternative: „Club100“ hat bereits begonnen und überträgt die Konzerte solange Zuschauer nicht erlaubt sind im Livestream für faire 10 Euro. Als Nächstes spielen am 5. Februar Milliarden, gefolgt von Catt am 6. Februar, Pohlmann am 12. Februar, Botticelli Baby am 25. Februar und Sofia Portanet am 26. Februar.

Club100 Konzerte ab Sa 5.2., 20.00, Livestream- Tickets zu 10 Euro unter www.club100-bremen.de