Pandemie

Corona-Krise verschärft Not vieler Lauenburger

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Die Tafel hat geschlossen. Um Bedürftige trotzdem zu versorgen, hat die evangelische Kirchengemeinde die Versorgung aufgenommen. Die Fäden laufen bei Pastor Philip Graffam zusammen.

Die Tafel hat geschlossen. Um Bedürftige trotzdem zu versorgen, hat die evangelische Kirchengemeinde die Versorgung aufgenommen. Die Fäden laufen bei Pastor Philip Graffam zusammen.

Foto: Elke Richel

Essensausgabe der Lauenburger Tafel ist derzeit nicht möglich. Doch es gibt einige andere Hilfsaktionen für bedürftige Familien.

Lauenburg. Die Lauenburger Tafel versorgt normalerweise zweimal in der Woche etwa 400 Kunden pro Tag. Bis vor Kurzem konnte die Ausgabe für Bedürftige der Stadt wenigstens am Freitag aufrechterhalten, auch wenn coronabedingt nur abgepackte Lebensmittel verteilt werden durften. Das ist jetzt auch vorbei. „Aufgrund der aktuell kritischen Lage und zum Schutz der Mitarbeiter und Kunden mussten wir die Ausgabe vorerst aussetzen“, bedauert die Tafelvorsitzende Friederike Bethge.

Doch in der Corona-Krise verschärfen sich Probleme für viele bedürftige Familien noch, andere geraten dadurch erst in wirtschaftliche Not. Diese Erfahrung hatte Pastor Philip Graffam bereits während des ersten Lockdowns im Frühjahr gemacht. „Es melden sich auch Menschen, die vor der Corona-Krise nicht auf die Tafel angewiesen waren. Vor allem Selbstständige und Freiberufler, denen plötzlich das Einkommen wegbricht, wissen oft nicht ein noch aus", sagt er. Derzeit spitzt sich die Lage wieder zu und die Kirchengemeinde lässt deshalb die Hilfsaktion aus dem Frühjahr aufleben.

Gespendete Lebensmittel werden nach Hause geliefert

Wieder laufen die Fäden bei Pastor Philip Graffam zusammen. Die Idee: Wenn die Kunden nicht zur Tafel kommen können, werden ihnen die gespendeten Lebensmittel nach Hause geliefert. Besonders für Lauenburger Senioren, die sich mit schmaler Rente über Wasser halten müssen, ist dieser Service gedacht. Aber eben auch für bedürftige Familien und Alleinlebende, die eine Berechtigung für den Wareneinkauf bei der Tafel haben.

Zu Beginn der Aktion gab es mehr freiwillige Helfer als Menschen, die sich helfen lassen wollten. Möglicherweise hielt sie die Scham davon ab, ihre Not zu offenbaren. Doch das änderte sich schnell. Jetzt klingelt sich an manchen Tagen wieder das Telefon bei Philip Graffam heiß. Während er die Adresse der Anrufer notiert, hört er mitunter Geschichten, die ans Herz gehen. Eines steht für ihn fest: „Es muss sich niemand schämen, um Hilfe zu bitten, wenn er in eine finanzielle Notlage gerät.“ Solange die Tafel die Ausgabe der Lebensmittel nicht wieder aufgenommen hat, können Bedürftige unter Telefon 04153/33 55 einen Termin für die Abgabe der Lebensmittel vereinbaren. Unter dieser Nummer kann sich auch melden, wer die Initiative als Helfer oder Fahrer unterstützen möchte.

Aktion "Büddel Glück" auf dem Friedhof geht weiter

Die Lebensmittel stammen, wie auch sonst bei der Tafel, aus Lauenburger Geschäften, Discountern und Supermärkten. "Wir möchten aber gern auch Lebensmittel für Bedürftige dazu kaufen, deshalb ist die Initiative auf Geldspenden angewiesen. Wir freuen uns über jeden Betrag der eingeht, damit wir die Not der Menschen lindern können“, sagt die Vorsitzende der Lauenburger Tafel, Friederike Betge. Wer die Aktion mit einer Spende unterstützen möchte, kann den Betrag einzahlen auf das Konto: Lauenburger Tafel e.V. Stichwort „Coronakrise“, KSK Lauenburg IBAN: DE22 2305 2750 0000 4166 14, BIC: NOLADE21RZB.

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Kurz vor Weihnachten lief eine zweite Spendenaktion der Kirchengemeinde an: Auf dem Lauenburger Friedhof hängten Mitarbeiter die ersten 50 "Büddel Glück" auf. Friedhofsleiterin Elle Koriath erklärt die Idee: „Helfen können wir einander unter anderem auch, indem wir uns besondere Aufmerksamkeit schenken und abgeben von dem, was wir zur Genüge haben."

Am Glockenturm steht ein Wagen voller "Büddel Glück"

Der Leiter des Lauenburger Rewe-Marktes Özgür Ögünc hatte sich spontan bereit erklärt, die ersten Beutel Lebensmittel zu spendieren. Durch private Spenden konnten jetzt weitere gekauft werden. „Mit der Aktion denken wir besonders an die Menschen unserer Stadt, die von der momentanen Schließung der Lauenburger Tafel betroffen sind“, sagt Friedhofsmitarbeiter Uwe Pusback.

Die „Büddel Glück“ hängen zwischen 8 und 16 Uhr an einem Wagen, der direkt am Glockenturm steht. Wer diese Aktion unterstützen möchte, kann auf der Webseite www.friedhof-lauenburg.de den Spendenbutton klicken oder einen Geldbetrag im Friedhofsbüro an der Lütauer Chaussee 2 abgeben. Telefonisch ist das Team vom Friedhof unter der Nummer 04153/ 3030 zu erreichen.