Titel

Das Wissen der Welt auf einem Stubentisch

Und so wohnt jetzt also ein Philosoph? Hätte man sich anders vorgestellt. Mit langen Regalwänden voller Bücher, mit zerfledderten Manuskripten, die auf Teppich und Sofa herumvagabundieren. Stattdessen: alles piccobello, lichtdurchflutet, zwei Katzen jagen raufend vorbei. Auch der Hausherr kommt optisch nicht unbedingt akademisch verkopft daher. „Fußball musste ich jetzt aufgeben“, verrät Lutz Hansen und lacht jungenhaft, „ich hab’ Hüfte“. Nun, „der Widerspruch ist das Erheben der Vernunft über die Beschränkungen des Verstandes“, schreibt Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Und der studierte Philosoph Hansen ist ein glühender Anhänger der Lehren des berühmten Kollegen.

Immerhin quillt der Stubentisch über vor bunten Postern, und die künden in 100 mal 70 Zentimetern unübersehbar doch von der Liebe des Nettelnburgers zur Bildung. Da gibt es Plakate zur Geschichte der Philosophie, zu Mineralen, italienischer sowie deutscher und niederländischer Malerei, eine Schautafel zur Religionsgeschichte, und rechts unten lugt eine Ecke deutsche Geschichte unter dem Stapel hervor. „Das ist unser Bestseller“, freut sich Lutz Hansen, „ungefähr 1500 Stück wurden davon bisher verkauft.“

Was hier für den Reporter auf dem Tisch ausgebreitet wurde, ist die Leistungsshow seines kleinen Verlages. Mit einem Studienfreund entwickelt und vertreibt er Bildungsplakate im Internet – „nur aus Spaß“, sagt Hansen, dem die Missionierung für die Gedankenwelt Hegels überdies eine rechte Herzensangelegenheit ist. Das sah wohl auch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz so, die bei einem abgedruckten Gemälde mal in Sachen Bildrechten nachhakte. „Wir konnten plausibel machen, dass wir nicht kommerziell sind“, sagt Hansen. Jedenfalls meldeten sich die Berliner nicht wieder.

Gezeigt werden soll auf den Postern jeweils auf einen Blick, was zu einem Thema wichtig ist. „Dabei sollen Zusammenhänge aufgezeigt, nicht nur der zeitliche Ablauf dargestellt werden“, sagt Hansen. Abnehmer sind Schulen, Bildungsträger, aber auch Privatpersonen. Eine Rückmeldung komme selten – auch ein Zeichen dafür, dass alles sachlich stimme. Nur ein Historiker nahm es mal ganz genau. „Wir hatten in der Überschift die Deutsche Geschichte bei ,0’ beginnen lassen.“ Mittlerweile sei das zwar in „1 - 900“ korrigiert, aber Hansen ärgert sich immer noch. Kleinkrämerisch“, findet er.

Die Kritik hätte sich auch mit Hegel kontern lassen: „Beginnende Bildung fängt immer mit dem Tadel an, vollendete aber sieht in jedem das Positive.“

Da hätte der Philosoph aber selbst drauf kommen können...

Wissen im Netz: bildungsplakate.de, hegel-system.de