Tempelhof

Der Witz als gute Erklärung für den Ernst des Lebens

Nachruf Literaturkritiker und Morgenpost-Kolumnist Hellmuth Karasek im Alter von 81 Jahren verstorben

Hellmuth Karasek, einer der bekanntesten deutschen Literaturkritiker, ist tot. Er starb im Alter von 81 Jahren am Dienstag vergangener Woche in Hamburg, wie seine Familie bestätigte. Mit ihm verliert das Land einen großen Journalisten und die Berliner Morgenpost einen liebenswürdigen, klugen Kollegen und langjährigen Kolumnisten. Elf Jahre lang und mehr als 500 Mal erschien jeden Sonntag auf der Titelseite der Berliner Morgenpost die Kolumne „Karsaceks Woche“.

Neben dem 2013 verstorbenen Marcel Reich-Ranicki prägte Karaseck von 1988 bis 2001 die ZDF-Sendung „Das literarische Quartett“ und wurde so einem Millionenpublikum bekannt. Karasek zeigte eher feinen Humor und Zwischentöne, während Reich-Ranicki gern auch polternd hart über Bücher urteilte. „Der Witz ist eine gute Erklärung für den Ernst des Lebens“, sagte er im März dieses Jahres der Schweizer Zeitung „SonntagsBlick“.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) würdigte Karasek als „eine echte Institution in Deutschland“. „Er liebte und litt an und mit der Literatur und war dabei immer ihr souveräner Vermittler und ein brillanter Unterhalter.“ Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) erklärte, Karasek habe als glühender Verfechter der Lesekultur den Menschen das Buch nahegebracht: „Er wird fehlen.“

SPD-Chef Sigmar Gabriel nannte Karasek eine prägende Figur des Geisteslebens. Deutschland verliere eine seiner brillantesten Stimmen. „Er baute wichtige Brücken zwischen dem intellektuellen Diskurs, der Welt des Literarischen und der Politik und Gesellschaft, bis hin zu einem breiten Fernsehpublikum.“

Hellmuth Karasek, der aus Brno (Brünn) in Mähren stammte, schrieb auch selbst zahlreiche Bücher, darunter Romane („Betrug“), Biografien („Billy Wilder – eine Nahaufnahme“) oder seine autobiografischen Erinnerungen „Auf der Flucht“. Unter dem Pseudonym Daniel Doppler verfasste Karasek auch mehrere Theaterstücke, darunter „Wachtel“.

Der Autor lebte in Hamburg. Er war in zweiter Ehe mit der Journalistin Armgard Seegers verheiratet und hatte vier Kinder. Sein Sohn Daniel Karasek leitet als Intendant das Kieler Theater. Seine Tochter Laura Karasek-Briggs ist Anwältin und Schriftstellerin.

Hellmuth Karasek begann seine journalistische Karriere 1960 bei der „Stuttgarter Zeitung“. 1968 begann er als Theaterkritiker und Feuilleton-Redakteur zur Wochenzeitung „Die Zeit“ (bis 1974). Danach begann seine „Spiegel“-Zeit: von 1974 bis 1991 leitete er das Kulturressort, 1996 kam es zum vorläufigen Bruch mit dem Magazin. Nach vierjähriger Pause schrieb Karasek im Jahr 2000 wieder eine Titelgeschichte für das Heft. Sein Romandebüt gab Karasek 1998 mit „Das Magazin“ – über das intrigante Innenleben eines Hamburger Nachrichtenmagazins, was ihm viele übelnahmen. Bis 2004 war er Mitherausgeber des Berliner Tagesspiegel. Neben seinen zahlreichen Büchern schrieb er für Zeitungen wie die Berliner Morgenpost und das Hamburger Abendblatt.

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