Berlin

Das Geschäft mit dem Schlaf

Berlin.  Das Geschäft mit dem Schlaf boomt. Etwa 25 Prozent der Deutschen leiden unter Schlafstörungen, Rückenschmerzen sorgen hierzulande für jährlich 40 Millionen Fehltage. Kein Wunder, dass die Deutschen bereit sind, für bequeme Matratzen und stabile Lattenroste viel Geld zu bezahlen. Hersteller machen sich das zunutze und verkaufen ihre Produkte für teils vierstellige Beträge. Stiftung Warentest hat hochpreisige Matratzen und Lattenroste unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Die teuren Ma­tratzen seien nur Durchschnitt, die Lattenroste sollten Verbraucher lieber selber basteln. Die Branche tobt.


Das sollten Matratze und Rost leisten

Eine gute Matratze stützt den Körper, bei Rückenschläfern erhält sie die Doppel-S-Form der Wirbelsäule. „Die meisten Menschen schlafen auf der Seite, sodass Becken und Schulter die Körperschwerpunkte bilden. Damit die Wirbelsäule in dieser Position nicht durchhängt, sollte der Rücken auf der Matratze möglichst gerade aufliegen“, sagt Ute Repschläger, Vorsitzende des Bundesverbandes selbstständiger Physiotherapeuten (IFK). Die Matratze sollte außerdem hart genug sein, um schwere Körperpartien optimal zu halten und weich genug, damit an Schultern und Becken kein Druck entsteht. Ein guter Lattenrost sollte diese Eigenschaften unterstützen, im besten Falle optimieren. Die Hersteller geben meist an, all das zu bieten.


So wertet Stiftung Warentest den Markt

„Matratzen sind oft überteuert, Lattenroste maßlos überschätzt und Werbeversprechen häufig haltlos“, sagt Anita Stocker, Chefredakteurin des Magazins „test“ der Stiftung Warentest. Die Warentester haben aktuell 14 teils über 1000 Euro teure Kaltschaumma­tratzen getestet und mit 200 weiteren Modellen verglichen, die den Test in den letzten sechs Jahren durchlaufen haben. Das beste jemals getestete Modell ist eine Kaltschaummatratze von Bett1.de für 199 Euro. Die teuren Modelle aus dem aktuellen Test können nicht mithalten. Noch drastischer fällt das Urteil zu den Lattenrosten aus: „Einen teuren Lattenrost können sie sich getrost sparen“, sagt Stocker. Die getesteten Modelle verbesserten den Liegekomfort nicht, sie verschlechterten ihn teils sogar. Die Warentester raten, sich lieber einen Lattenrost zu bauen – mit Material aus dem Baumarkt für rund 35 Euro.


So reagiert die Branche auf den Test

„Dieser Rat ist fahrlässig“, findet Ulrich Leifeld, Geschäftsführer des Fachverbands Matratzen-Industrie, der die Hersteller vieler getesteter Produkte vertritt. Ein selbst gezimmerter Rost könne nie die Anforderungen erfüllen. „Zu hohe Abstände zwischen den Latten können die Matratze beispielsweise schädigen, bei zu wenig Abstand kann die Matratze nicht mehr optimal auslüften und es bildet sich Schimmel“, sagt Leifeld. Allerdings räumt er ein: Es kommt vor allem auf eine gute Matratze an. „Eine schlechte Matratze kann durch einen teuren Lattenrost nicht aufgewertet werden.“ Wichtig sei gute Beratung im Fachhandel.


Worauf Verbraucher bei der Beratung achten sollten

Auch hier sieht Stiftung Warentest Probleme. Die Stiftungsmitarbeiter Stephan Scherfenberg und Claudia Till starteten neben dem Test einen Feldversuch und ließen sich in mehreren Geschäften beraten. „Am Ende rieten uns die Verkäufer immer zum teuersten Modell“, so Scherfenberg. Fast alle Anbieter hätten zudem versucht, mit der Matratze auch einen Lattenrost zu verkaufen. Nötig ist das nicht. Bei Matratzen wird nach zehn Jahren ein Neukauf empfohlen, weil sich über die Jahre Hautschuppen und Schweiß ansammeln, Lattenroste können ihren Dienst in der Regel länger tun. „Einige Anbieter schränken sogar die Garantie der Matratzen ein, wenn kein neuer Rost verwendet wird“, kritisiert die Stiftung.


Matratzenkauf – das raten Experten

„Verbraucher sollten sich beim Kauf nicht unter Druck setzen lassen“, sagt Ineke Klaholz von der Verbraucherzentrale NRW. Die Verkäufer haben zwar die Möglichkeit, die Garantie individuell festzulegen, Verbraucher müssen sich aber nicht auf diese Vereinbarung einlassen. Im Zweifelsfall sollten Kunden lieber die Angebote mehrerer Anbieter vergleichen, statt sich zu einem zusätzlichen Kauf eines Lattenrostes drängen zu lassen. Branchenkenner Leifeld rät Kunden, sich vorher genau zu überlegen, auf was sie Wert legen: „Man sollte nicht auf Schnickschnack hereinfallen, wer kein verstellbares Kopfteil braucht, sollte dafür auch nicht extra zahlen“. Der Tipp der Stiftung Warentest: Sich immer beim Probeliegen einen Eindruck verschaffen. Manche Anbieter ermöglichen dies auch im heimischen Bett.