Berlin

Gelbe Engel gibt’s auch günstiger

Berlin. Rund 40 Millionen Autofahrer in Deutschland haben einen Schutzbrief für den Fall einer Panne oder eines Unfalls. Fast die Hälfte von ihnen beim Automobilclub ADAC, der mit mehr als 19 Millionen Mitgliedern der Platzhirsch auf dem Gebiet ist. Doch was viele nicht wissen: Es gibt günstigere Alternativen zum ADAC.

Trotz des Skandals um den Autopreis Gelber Engel im Januar 2014, bei dem über Jahre Abstimmungsergebnisse manipuliert worden waren, hat der ADAC so viele Mitglieder wie nie zuvor. Zwar hatten dem Verein Tausende den Rücken gekehrt – Ende 2014 verzeichnete er zum ersten Mal seit langer Zeit einen leichten Rückgang bei den Mitgliederzahlen –, doch nur Monate später meldete der ADAC einen neuen Rekord. Ein Grund könnte das dichte Servicenetz sein.

Doch es kann sich lohnen, sich auch andere Schutzbriefe näher anzusehen. Die Stiftung Warentest hat 85 Schutzbriefe von Autoclubs und Assekuranzen unter die Lupe genommen. Ihr Fazit: Meist sind die Versicherungen deutlich günstiger als die Automobilclubs. Die Jahresbeiträge reichen von fünf bis 134 Euro im Jahr. „Ins Auge springt der große Preisunterschied“, notieren die Tester. Bei den Leistungen ist der Unterschied hingegen weit weniger ausgeprägt. Zunächst aber: Nicht alle Autofahrer brauchen unbedingt einen Schutzbrief. Neuwagenkäufer sind meist über eine Mobilitätsgarantie der Hersteller gut abgesichert. Ein, zwei oder bisweilen auch drei Jahre lang. Wenig- und Kurzstreckenfahrer, die sich nur in der Nähe ihres Wohnortes bewegen, sind auch nicht so dringend auf einen Schutzbrief angewiesen. Freunde oder Nachbarn helfen sicher gerne aus, wenn die Batterie leer ist oder der Wagen in die Werkstatt abgeschleppt werden muss.

Schutzbriefe von Versicherern gibt es bereits ab fünf Euro

Stiftung Warentest weist zudem darauf hin, dass die Stundensätze für Abschleppdienste oft unter 180 Euro liegen, es also im Ernstfall gar nicht so teuer werden muss, wie man vielleicht fürchtet.

Andererseits: Die Schutzbriefe der Autoversicherer gibt es bereits ab fünf Euro im Jahr. Mehr als 20 Euro werden normalerweise nicht fällig, wenn man bei seinem Kfz-Versicherer bucht. „Sie kosten oft nur einen Bruchteil des ADAC-Mitgliedsbeitrags und bieten ähnliche Leistungen“, hat das Verbraucherportal Finanztip festgestellt. Das heißt: Pannenhilfe, Abschleppen, Hotel, Taxi oder Mietwagen decken alle Schutzbriefe ab. Unterschiede gibt es allenfalls in den Details.

So sind die Kostenlimits für die Pannenhilfe unterschiedlich. Das fällt in der Regel nicht besonders stark ins Gewicht. Interessanter sind die Preisunterschiede. So kostet eine kleine ADAC-Mitgliedschaft im Jahr 49 Euro. Wer auch im europäischen Ausland und angrenzenden Mittelmeeranrainerstaaten geschützt sein will, braucht „ADAC Plus“ für 84 Euro pro Jahr. Größter Vorteil: Der ADAC-Schutz ist nicht an ein bestimmtes Fahrzeug gekoppelt. Das ist bei den Versicherungen anders. Und: Der ADAC hat noch ein paar Extras ins Paket gewickelt – Beratung beim Autokauf oder Tourenplanung sind gratis mit dabei. „Wenn es Ihnen aber vor allem auf Pannen- und Unfallhilfe ankommt, sind Sie mit dem Schutzbrief eines Kfz-Versicherers in der Regel ausreichend versichert“, ist die Stiftung Warentest überzeugt.

Ältere Pkw haben es schwerer, eine Police zu bekommen

Interessant könnte der ADAC auch für Fahrer älterer Modelle sein – denn bei alten Fahrzeugen kommt es häufig vor, dass die Versicherer den Schutzbrief ablehnen.

Andere Autoclubs können ebenfalls einen Blick wert sein. So bietet der Auto Club Europa (ACE) für 62,80 Euro ein Rundum-sorglos-Paket für Familien im In- und Ausland an. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) bietet Schutz schon ab 29 Euro im Jahr. Dem Portal Finanztip besonders positiv aufgefallen ist die Bruderhilfe (BAVC). Einst als mobiler Beistand für Pfarrer gegründet, kann sich heute jeder ab 39 Euro im Jahr europaweit absichern lassen. Unabhängig vom Fahrzeug. Auch Quads zum Beispiel können bei der Bruderhilfe versichert werden.