Einzelhandel

Das ist Hamburgs schöne neue und digitale Einkaufswelt

Während die Eltern einkaufen, können die Kinder sich auf einem virtuellen Spielplatz amüsieren

Während die Eltern einkaufen, können die Kinder sich auf einem virtuellen Spielplatz amüsieren

Foto: Georg Wendt / ECE

Navi im Shoppingzentrum, Prämien mit Smartphone sammeln: Wie Hamburger Unternehmen an der Zukunft des Einzelhandels arbeiten.

Smartphones und andere Technologien verändern dramatisch das Einkaufsverhalten der Deutschen. Bereits heute versuchen diverse Handelsketten, Elemente des Internethandels in die traditionellen Geschäfte zu integrieren und überlegen zugleich, wie sich das reale Shoppingerlebnis in Konkurrenz zur virtuellen Welt noch verbessern lässt. Das Abendblatt gibt einen Überblick über die wichtigsten Innovationen, die zum großen Teil schon in der Hansestadt getestet werden.

Mit dem Navi durch das Einkaufszentrum

240 Läden, drei Ebenen und fast 40.000 Besucher pro Tag: Das Alstertal-Einkaufszentrum in Poppenbüttel gleicht einem Labyrinth, in dem man leicht mal den Überblick verlieren kann. Deshalb hat sich Betreiber ECE einiges einfallen lassen, um die Suche nach einem bestimmten Shop zu erleichtern. Interaktive Computerterminals zeigen auf Wunsch den Weg zur nächsten H&M-, Jack Wolfskin- oder Görtz-Filiale. Ein anderes System stellt über einen Bildschirm eine Verbindung zu einer Servicekraft her, die die Wegbeschreibung auch ausdrucken kann.

Noch komfortabler soll die Navigation von September an mit dem eigenen Smartphone funktionieren. Um eine Ortung auch innerhalb des Einkaufszentrums und über mehrere Ebenen hinweg zu ermöglichen, hat ECE 600 kleine Funksender (Beacons) installiert, die mit den Handys der Besucher über die Schnittstelle Bluetooth kommunizieren. Der Weg zum nächsten Shop wird dann entweder in einer speziellen Smartphone-App oder auch über Google Maps angezeigt, wo schon heute der Plan des Einkaufszentrums hinterlegt ist. Das System ermöglicht es auch, das eigene Auto im Parkhaus auf möglichst einfache Art wiederzufinden, indem der Kunde den Ort auf der Karte markiert.

Für den Shoppingcenter-Betreiber hat das System den Vorteil, dass die Laufwege der Kunden im Einkaufszentrum detailliert erfasst werden können. „Wir erheben aber ausschließlich anonymisierte und keine personenbezogenen Daten“, betont Unternehmenssprecher Christian Stamerjohanns. Im Rahmen des sogenannten Future Labs testet ECE im Alstertal-Einkaufszentrum auch elektronische Spielplätze für Kinder, in denen die Kleinen auf berührungsempfindlichen Bildschirmen am Boden herumtoben können und dabei virtuelle Schmetterlinge oder Goldmünzen einfangen können.

Alstertal-Einkaufszentrum, Heegbarg 31, direkt am S-Bahnhof Poppenbüttel. Die AEZ-App gibt es kostenlos in den Appstores von Apple und Android

Prämien sammeln beim Betreten eines Geschäfts

Bonuspunkte- und Prämiensammeln einfach beim Betreten eines Geschäftes oder beim Anschauen eines neuen Produktes: Das verspricht die Smartphone-App des Hamburger Unternehmens Yoints. Auch hier kommen – wie beim Einkaufscenter-Betreiber ECE – kleine Funksender zum Einsatz, die bereits in mehr als 600 Geschäften im Großraum Hamburg, unter anderem am Flughafen, installiert wurden. Partner sind Shops von Markenherstellern wie Adidas oder Vodafone aber auch Supermärkte, Teegeschäfte oder Friseure wie Ryf. Verwendet ein Kunde die Yoints-App, dann erfassen die Funksender sein Handy beim Betreten eines Geschäfts und es werden automatisch einige Bonuspunkte gewährt. Weitere Punkte gibt es für das Scannen eines Codes auf bestimmten Produkten, die besonders beworben werden sollen.

Die Punkte lassen sich gegen Prämien wie Gutscheine, Lippenstifte Designertaschen oder Gartengrills eintauschen. Mit zehn bis 15 Besuchen in verschiedenen Läden könne man sich einen Gutschein von fünf Euro erarbeiten, wie Yoints-Chef Sarik Weber erklärt. Für die Händler habe das System den Vorteil, dass auf diese Weise mehr Kunden in die Läden kämen. In diesem Jahr soll das Yoints auch noch in anderen großen Städten in Deutschland verfügbar werden.

Die Yoints-App gibt es kostenlos für Apple und Android-Handys in den entsprechenden Stores. Weitere Infos unter yoints.com

Ein Supermarkt im U-Bahn-Waggon

Traditionelle Handelsketten müssen sich einiges überlegen, um in der Konkurrenz mit Onlineshops und besonders preisaggressiven Anbietern nicht ins Hintertreffen zu geraten. Edeka Nord hat daher Studenten der HafenCity-Universität gebeten, im Rahmen eines Wettbewerbs Vorschläge für den Supermarkt der Zukunft zu entwickeln. Eine Idee: Der Waggon eines U-Bahn-Zuges könnte in einen Mini-Supermarkt umgewandelt werden, um das Einkaufen während der Fahrt zu ermöglichen. Ein weiterer Vorschlag: Aus einem mobilen Edeka-Gewächshaus heraus könnte direkt vor Ort angebautes Gemüse verkauft werden. Dies wäre eine Möglichkeit, über die die Supermarktkette vom Trend zum Urban Gardening profitieren und zugleich ihre Kompetenz bei Lebensmitteln unter Beweis stellen könnte. Ein dritter Beitrag setzte sich mit dem Problem des Wegwerfens von Lebensmitteln auseinander. Die Idee der Studentinnen: Übrig gebliebene Nahrungsmittel werden aus dem Supermarkt zu einem mobilen Marktstand gebracht und dort weiter verarbeitet und verkauft. Es werden ein oder mehrere Tagesgerichte angeboten, je nach Auswahl der nicht verkauften Lebensmittel. Ob eine dieser Ideen allerdings jemals von dem Hamburger Konzern verwirklicht wird, ist offen.

Der Kunde wird selbst zum Kassierer

Ikea ist der Vorreiter, ein Drittel aller Kassen in Deutschland hat das schwedische Möbelhaus mittlerweile so umgerüstet, dass die Kunden ihre Waren dort selbst scannen und bezahlen können. 40 Prozent der Besucher nutzen diesen Service, der vor allem die Wartezeit verkürzen soll. Entsprechende Expresskassen gibt es mittlerweile auch in einigen Supermärkten der Rewe-Gruppe wie etwa in Poppenbüttel oder in Baumärkten wie Bauhaus. Bei Rewe fordert eine schnarrende Computerstimme die Benutzer auf, ihre Kaffeepackungen, Schokoriegel oder Müslitüten unter den Strichcode-Leser zu halten und anschließend zur Kontrolle in einen Warenkorb zu legen. Eine besondere Freischaltung ist bei Alkohol und Zigaretten notwendig, da diese Waren nicht an Jugendliche ausgegeben werden dürfen. Ganz auf Kassierer verzichten will aber keine Einzelhandelskette, nicht zuletzt deshalb, weil der Mann oder die Frau an der Kasse oft die einzige Person ist, mit der ein Kunde überhaupt Kontakt in einem Laden Kontakt hat. Im internationalen Vergleich sind Selbstzahlerkassen in Deutschland noch nicht sonderlich weit verbreitet. Gut 10.000 sind es nach Expertenschätzungen, bei etwa einer Million Kassen im gesamten Einzelhandel.

Selbstscannerkassen gibt es beispielsweise bei Ikea, Große Bergstraße 164, direkt am Bahnhof Altona, oder bei Rewe in AEZ.

Schuhe und Kinokarten mit dem Handy bezahlen

Zahlreiche Anbieter mühen sich derzeit, die Deutschen von den Vorteilen des Bezahlens mit dem Smartphone zu überzeugen. Das reicht von übergreifenden Lösungen des Bezahldienstes PayPal oder der Hamburger Otto-Tochtergesellschaft Yapital bis hin zu Insellösung wie der des Discounters Netto, bei dem das Bezahlen über eine eigene App funktioniert. Bei Yapital sind mehr als 100 Mitarbeiter in der Hansestadt damit beschäftigt, das eigene Bezahlsystem zu optimieren. Kunden müssen sich mit ihrer E-Mail-Adresse registrieren und ihre Bankverbindung oder Kreditkartendaten hinterlegen. Über eine Smartphone-App können sie dann bei Partnern wie der Schuhkette Görtz, bei SportScheck oder auch der Kinokette Cinemaxx und dem Restaurant Bank in der City bezahlen. Dazu erscheint auf dem Bildschirm der jeweiligen Kassenterminals ein QR-Code, der mithilfe der Smartphone-Kamera eingescannt werden muss.

Zugleich lässt sich mit Yapital auch in diversen Onlineshops aus der Otto-Gruppe, etwa bei Otto, Baur oder Neckermann einkaufen. Ob sich das System allerdings durchsetzen wird, ist fraglich, da der Kundenstamm mit knapp 100.000 noch sehr überschaubar ist. Rund 3,5 bis fünf Millionen Nutzer wären nach Aussage des Yapital-Chefs Marc Berg notwendig, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Die Yapital-App gibt es kostenlos für Android- und Apple-Smartphones. Infos finden sich im Internet unter yapital.de

Supermärkte zeichnen Ware mit digitalen Schildern aus

Elektronische Preisschilder ermöglichen es großen Handelsketten, die Auszeichnung der Waren am Regal auf Knopfdruck zu verändern. Eingesetzt werden unterschiedliche Systeme derzeit in Edeka-Märkten in Osdorf oder in der Rindermarktmarkthalle. Auch der Konkurrent Rewe und die Elektronikkette Media Markt stellen sukzessive auf digitale Preisschilder um. Während die Unternehmen darin vor allem eine Arbeitserleichterung sehen, argwöhnen Verbraucherschützer, dass die Preise künftig so schnell wechseln könnten wie an der Tankstelle oder im Internet. Denkbar wäre etwa, dass sich Bier vor einem wichtigen Fußball-Länderspiel verteuert.

Elektronische Preisschilder setzen unter anderem die Edeka-Märkte in Osdorf, Julius-Brecht-Straße 5a, und in der Rindermarkthalle, Neuer Kamp 31, ein.