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Wie gefährlich war der Chemieunfall für Hamburg?

48 Menschen durch Gaswolke am Rand der City verletzt. 20 Stadtteile betroffen. Schon das zweite Tankleck in dem Betrieb

hamburg. Der Unfall auf dem Gelände eines Chemieunternehmens in Billbrook hat größere und schwerere Schäden verursacht als bisher angenommen. Nach Angaben der Feuerwehr wurden in der Nacht zum Freitag mindestens 48 Menschen verletzt, nachdem sie Gas eingeatmet hatten. Sie klagten über Atembeschwerden und Augenreizungen. 20 Betroffene wurden in Krankenhäuser gebracht, zwei Patienten mussten vorübergehend auf der Intensivstation behandelt werden.

Gegen 20.44 Uhr war am Donnerstag eine ätzende Lauge namens Contram MBO aus einem Tank am Billbrookdeich entwichen, offenbar wegen Überdrucks an einem Sicherheitsventil. Das Reinigungsmittel für Metall vermischte sich mit Wasserdampf, dadurch bildete sich eine Gaswolke, die von Billbrook aus zunächst in Richtung City und Flughafen Fuhlsbüttel zog. Die Feuerwehr rief etwa eine halbe Million Menschen in 20 Stadtteilen dazu auf, Fenster und Türen geschlossen zu halten. „Die ausgetretene Lauge kann Lungenödeme auslösen, wenn ihre Dämpfe eingeatmet werden“, sagte Feuerwehrsprecher Hendrik Frese.

Durch die Klimaanlage gelangte das gefährliche Gas auch in das Innere eines Hotels an der Wöhlerstraße, etwa 1,5 Kilometer vom Unfallort entfernt. Dort gab es mehrere Dutzend Verletzte. Ein Großaufgebot von mehr als 120 Beamten der Feuerwehr dichtete das Gasleck auf dem Firmengelände ab und evakuierte das Hotel, in dem sich mehr als 100 Gäste aufhielten. Sie wurden in einer nahe gelegenen Feuerwehrwache provisorisch untergebracht. Zeitgleich wurde in Kooperation mit dem Deutschen Wetterdienst berechnet, welchen Weg die Gaswolke durch die Stadt nehmen würde.

Nach Angaben von Feuerwehrsprecher Frese bestand außerhalb der „unmittelbaren Umgebung“ in Billbrook keine größere Gefahr. „Es wurde an zahlreichen Standorten gemessen, ob sich das Gas auch in anderen Stadtteilen bemerkbar macht.“ Die Ergebnisse hätten gezeigt, dass eine Rundfunkdurchsage ausreichend sei. Nur in Billbrook klingelten Polizisten mit Atemschutz bei Firmen, um sie zu warnen.

Am Freitag meldeten sich viele besorgte Hamburger bei den Behörden und erkundigten sich nach den Folgen des Vorfalls. Wer keine Atemwegsbeschwerden habe, müsse sich jedoch keine Sorgen machen, hieß es. Die Polizei ermittelte in Billbrook die Unfallursache. Bereits im Jahr 2014 war auf dem Gelände der Firma ätzende Lauge aus einem der Tanks gelaufen.

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