Seitensprung mit Neandertaler

Genetiker beweisen, dass der Homo sapiens auch gerne mal fremdging. Jetzt wurde einer unserer Urahnen fast in flagranti erwischt ...

Was hat man ihm früher nicht alles Uncharmantes nachgesagt, dem Neandertaler! Er sei so strunzdämlich gewesen, dass ihn selbst die Witze von Mario Barth überfordert hätten. Krummbeinig und bucklig sei er aus seiner Wohnhöhle geschlurft. Von wegen! Die Paläontologen vor 100 Jahren hatten bloß die gefundenen Skelette falsch zusammengesetzt. Fehlerhaft montiert würde auch George Clooney nicht mehr ganz so elegant daherkommen.

Den frühen Forschern fehlte eben noch jene kreative Praxis, die wir heutzutage beim Zusammenbau von Ikea-Schrankwänden erwerben. Inzwischen wissen wir auch, dass Vetter Neandertaler gar nicht so doof war. Dass er, in einen Brioni-Anzug und eine RTL-Talkshow gesteckt, auch heute noch eine gute Figur abgeben würde und sprachlich mit manchem Fußballer mithalten könnte. Eine gute Meinung von ihm hatten damals wohl auch etliche Homo-sapiens-Mädels, die vom muskelstrotzenden Urzeit-Schwarzenegger ganz animalisch entflammt wurden und sich ihm auf das Zutraulichste näherten. Aufgrund hitziger Höhlenaffären enthält unsere DNA, wie der Max-Planck-Forscher Svante Pääbo ermittelt hat, durchschnittlich ein bis drei Prozent Neandertaler-Gene. Bei dem einen Mitbürger schlagen sie weniger durch, beim anderen stärker.

Wie das Fachmagazin „Nature“ berichtet, hat man nun aber die Knochen eines rund 40.000 Jahre alten Höhlenmenschen aus Rumänien gefunden, die bis zu neun Prozent Neandertaler-Gene enthalten. „Wir haben sie fast in flagranti erwischt“, schwärmt Pääbo. Mancher moderne Seitenspringer hätte es auch gern, dass man ihm erst 40.000 Jahre später auf die Schliche kommt. Ob es in diesem Fall nur ein One-Night-Stand war oder am Ende gar zu einer Mischehe gereicht hat, wissen wir nicht. Der Grund, warum sich diese Verbindungen letztlich nicht dauerhaft bewährt haben, liegt jedenfalls auf der Hand: Kein Homo-sapiens-Mann wollte eine Schwiegermutter, die einem ein Mammut an den Kopf werfen kann.

Seite 19 Gemeinsame Nachfahren