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Nächstes Ziel: Rio 2016

Edina Müller ist ins Parakanu umgestiegen – Karriere mit Hilfe der Kollegen

„Voll verrückt“, sagt Edina Müller selbst zu ihrem erfolgreichen Umstieg. So war das doch gar nicht geplant. Nach dem Ende ihrer Basketballkarriere 2014 wollte die Paralympics-Siegerin von London eigentlich etwas kürzer treten, sportlich. Wollte tauchen und mit ihrem Freund paddeln. Und dann das: „Ja, ein bisschen ist der Leistungssport schon eine Sucht“, sagt Hamburgs Sportlerin des Jahres 2012, „das Adrenalin, das Quälen, der Lohn durch Erfolge“. Der Wassersport hat sie gepackt, aus dem Hobby wurde wieder Leistungssport.

Seit Jahresbeginn also ist sie als Parakanuten aktiv, schaffte bei der Sichtung im April den Sprung in den deutschen Kader, wurde Anfang Mai Vizeeuropameisterin und ist damit bereits für die WM im August qualifiziert. „Dort muss ich unter die ersten sechs kommen, um mich für Rio zu qualifizieren“, sagt sie. Die Spiele 2016 sind das große Ziel der 31-Jährigen: „Es wird allerdings schwer, die Konkurrenz ist international sehr stark.“

Jeden Tag trainiert sie deshalb in ihrem Kanu auf der Alster, dazu kommt zwei bis drei Mal die Woche Krafttraining am Olympiastützpunkt Hamburg. Zu schaffen ist das alles nur mit der Unterstützung ihres Arbeitgebers, des BG Unfallkrankenhauses Boberg. Müller ist dort in einer 38-Stunden-Woche als diplomierte Sporttherapeutin angestellt. Sie arbeitet in der medizinische Trainingstherapie, vor allem bei Querschnitts- und Schulterpatienten. Sie bringt Rollstuhlfahrern die richtige Haltung bei, lehrt Oberkörpergymnastik, bietet Rollstuhltraining. Dass sie selbst im Rollstuhl sitzt, erhöht bei einigen Patienten durchaus das Vertrauen, die Glaubwürdigkeit: „Diese Rückmeldung bekomme ich schon.“ Die Erfahrungen der Mobilität weiterzugeben, ist deshalb ein wichtiger Teil ihrer Arbeit. „Einige Patienten sind nach einem Unfall natürlich verzweifelt und wissen nicht, wie es weitergehen soll. Aber es geht ja, und ich kann ihnen zeigen, wie.“

Nach den Spielen in London hat Edina Müller den Job in Boberg angetreten, am 1. November 2012, um genau zu sein. Ursprünglich war sie im Jahr zuvor aus Bonn nach Hamburg gekommen, um Rollstuhlbasketball zu spielen. Ein Jahr konnte sie sich voll auf den Sport konzentrieren, der vom BUK intensiv gefördert wurde und wird. „Ich habe da natürlich Leute kennengelernt, das hat mir Türen geöffnet“, sagt Edina Müller, „und jetzt habe ich meinen Traumjob“.

Insgesamt rund 20 Therapeuten arbeiten in Boberg in unterschiedlichsten Bereichen an der Rehabilitation ihrer Patienten, eine ist aber immer mal weg zu Wettkämpfen. „Das Team muss leiden, ob die Kollegen das immer so toll finden, weiß ich nicht“, räumt Edina Müller ein, „aber wenn ich erfolgreich bin, dann freuen sich alle.“