Kommentar

Deutscher Bank fehlen die Kunden

Volker Mester

Volker Mester

Foto: HA/Klaus Bodig

Die Deutsche Bank schließt 200 ihrer Zweigstellen

Wenn eine Bank Filialschließungen größeren Umfangs bekannt gibt, kann sie sich des Unmuts ihrer Kunden und der gesamten Öffentlichkeit sicher sein. Diese Erfahrung hat die HypoVereinsbank bereits gemacht, und der Deutschen Bank, die 200 ihrer bundesweit rund 700 Zweigstellen aufgeben will, wird es jetzt nicht anders gehen.

Dabei sind es letztlich die Kunden selbst, die den Grund für derartige Entscheidungen der Bankvorstände liefern. Denn Untersuchungen zufolge wenden sich die Deutschen im Schnitt nur noch ein- bis zweimal pro Jahr an die Mitarbeiter in einer Filiale.

Tatsächlich haben die großen Filialbanken lange Zeit nicht wahrhaben wollen, wie radikal das Internet die Beziehung zu den Kunden verändern würde. Und die anhaltende Niedrigzinsphase verstärkt jetzt noch den Druck auf die Geldhäuser, sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Zwar ist die Zahl der Bankfilialen in Deutschland bereits seit dem Jahr 2000 von damals 57.000 auf 36.000 gesunken. Zuletzt war aber für mehrere Jahre die Auffassung, die Filiale sei eben doch der Dreh- und Angelpunkt für die Kundenbindung, in den Vordergrund getreten, und der Rückgang hatte sich abgeflacht. Jetzt steht offenbar eine neue Schließungswelle bevor.

Die Deutsche Bank hat allerdings nicht nur die Bedeutung ihres Filialgeschäfts neu bewertet, sondern auch die Trennung von der Postbank beschlossen. Für Branchenkenner kam das nicht völlig überraschend. Denn eines der wesentlichen Ziele, das hinter dem schrittweisen Einstieg bei der einstigen Post-Tochter in den Jahren 2008 bis 2010 stand, konnte nie erreicht werden: Die Aufsichtsbehörde BaFin untersagte dem neuen Eigentümer, auf die hohen Kundeneinlagen der Postbank zurückzugreifen, um damit eigene Geschäfte zu finanzieren. Ohnehin sind die Erträge der Deutschen Bank im Privatkundenbereich schwach – die Sparte weist eine Eigenkapitalrendite von neun Prozent aus, während europäische Wettbewerber nach Angaben von Commerzbank-Chef Martin Blessing bis zu 35 Prozent erreichen. Wenn die Deutsche Bank international weiter eine bedeutende Rolle spielen will, bleibt ihr gar nichts anderes übrig, als die Postbank wieder loszuwerden.