Schwimmen

Laura Bendfeldt sagt den Stormarnern bye-bye

Die Schwimmerin des Ahrensburger TSV startet in den nächsten vier Jahren für die Long Island University in New York. Zwei Jahre studiert sie Business Studies, später internationales Management.

Großhansdorf. Den bequemen Weg hat Schwimmerin Laura Bendfeldt vom Ahrensburger TSV mit ihrer Entscheidung für ein Studium in den USA sicherlich nicht gewählt. Der Wecker wird die 19-Jährige montags bis donnerstags unsanft um 5.30 Uhr aus den Träumen reißen, um den Schlaf- mit dem Schwimmanzug zu tauschen und anschließend zwei Stunden im Wasser die eigenen Leistungsgrenzen herauszufordern. Danach wird in der Mensa eine Kleinigkeit gegessen, ehe es für Stunden ab in den Hörsaal geht.

Am Nachmittag steht erneut Schwimmtraining auf dem Programm. Freitags sind zwei Einheiten angesetzt, Sonnabend zum Glück nur eine. Der Sonntag ist frei. Es sei denn, es sind Wettkämpfe angesetzt. „Auch wenn der Weg dornig sein wird, für meine berufliche Zukunft bieten sich mir Möglichkeiten, die ich sonst nicht hätte“, sagt Bendfeldt. Am 28. August beginnt für sie das Abenteuer USA mit dem Flug nach New York. Denn sie hat ein Sportstipendium an der Long Island University erhalten. Zum Einstieg in das internationale Wirtschaftsgeschehen studiert sie zwei Jahre Business Studies, danach will sie für den gleichen Zeitraum den Studiengang International Management belegen. Der Vertrag zwischen Bendfeldt und der Universität ist zunächst auf ein Jahr begrenzt, wird aber kurz vor Ablauf ohne großes Prozedere um jeweils weitere zwölf Monate verlängert, vorausgesetzt, beide Seiten sind zufrieden. Anschließend stehen der blonden Großhansdorferin in New York bei vielen, unter anderem auch großen deutschen Firmen, die Türen für ein Praktikum weit offen.

Um aber überhaupt das Interesse einer der vielen amerikanischen Universitäten zu wecken, muss ein jugendliche Sportler überregional für Furore gesorgt haben. Das hat Bendfeldt, die ihre unzähligen Medaillen und Titel über die 50- oder 100-Meter-Distanz auf Kreis- und Landesebene nicht mehr zählen kann. Neben einem dritten Rang bei norddeutschen stand sie auch bei nationalen Titelkämpfen im Finale.

Zwischen Sportler und Universität steht meist eine Agentur, die Sportstipendien vermittelt. Bendfeldt bewarb sich bei Scholarbook. Die Großhansdorferin musste ihre schwimmerischen Fähigkeiten per Video festhalten und mehrere Sprachtests und akademische Prüfungen bestehen. Die Agentur-Mitarbeiter legten anhand des vorliegenden Materials ein persönliches Profil von Bendfeldt an und knüpften Anfang des Jahres Kontakte zu diversen amerikanischen Universitäten. Die Rückmeldung war überwältigend: „Mit drei oder vier Anfragen hatte ich gerechnet“, sagt Bendfeld. „Insgesamt haben sich aber 28 Unis gemeldet.“ Die 19-Jährige hatte die Qual der Wahl, ihre Prioritäten allerdings früh festgelegt.

Bendfeldt: „Die Uni sollte sich in der Nähe einer größeren Stadt befinden und der Campus nicht mehr als 9000 Studenten beherbergen, also eine Größenordnung ähnlich wie Großhansdorf.“ Allerdings wollen die Universitäten für ein Stipendium Leistungen sehen, im Sport wie auch im Hörsaal. Das ist der 19-Jährigen bewusst.

Vor einer endgültigen Zusage wollten die Amerikaner die Großhansdorferin „Face to Face“ kennenlernen. Sie bekam eine Einladung zugesandt. Flug, Unterkunft und Essen bezahlte die Long Island University. Anfang Mai war es dann soweit: Bendfeldt flog nach New York. Schwimmcoach Bill Pearson erwartete die Stormarnerin am John F. Kennedy International Airport.

Die 19-Jährige lernte drei Tage das Uni-Gelände kennen. Sowohl die Universität als auch Bendfeldt waren überzeugt, also reiste die Deutsche mit der festen Zusage eines Sportstipendiums im Gepäck zurück in die Heimat. Zwei Tage nach der mündlichen Zusage erreichte Familie Bendfeldt per Mail der mit immerhin 48.000 Dollar für ein Jahr dotierte Vertrag auch in schriftlicher Form. Vater Hans-Jürgen Bendfeldt steht dem Auslandsaufenthalt seiner Tochter mit gemischten Gefühlen gegenüber. „Natürlich bin ich sehr stolz auf Laura, aber nach ihrer Abreise wird in unserem Haus eine gewisse Leere herrschen“, befürchtet er. Auch während der mehrjährigen Abwesenheit seiner Tochter bleibt der 70-Jährige Vorsitzender der Ahrensburger Schwimmsparte, Tochter Laura wird ihren Mitgliedsausweis ebenfalls behalten. „In den USA starte ich für meine Universität, in Deutschland weiterhin für den ATSV“, erklärt Laura Bendfeldt.

Eines bereitet der 19-Jährigen derzeit großes Kopfzerbrechen: das für eine Flugreise vorgeschriebene Gewichtslimit von 25 Kilogramm. Bendfeldt: „Ich überlege immer wieder hin und her, was ich von meinen Sachen mit nach New York nehmen und was ich mir vor Ort kaufen soll.“