Die beliebtesten Geburtshelfer

150 Jahre: Das katholische Marienkrankenhaus in Hohenfelde feiert Jubiläum

Einmal Marienkrankenhaus, immer Marienkrankenhaus. Erst ließ sich Lisbeth Ganske aus Groß-Flottbek 1947 in dieser katholischen Klinik am Blinddarm operieren. Dann brachte sie dort drei Jahre später ihre kleine Dagmar zur Welt. Auch die entschied sich später für das Marienkrankenhaus: 1972 kam Nicole auf die Welt. Doch dabei sollte es nicht bleiben: Nicole wählte ebenfalls als werdende Mutter diese Geburtsklinik. „Weil es hier für die Neugeborenen eine angeschlossene Intensivstation gibt“, sagt sie. Am 3. April 2009 wurde ihr Sohn Linus Fiedler geboren.

Eine ganze Hamburger Familie ist über Generationen jenem Krankenhaus verbunden, das jetzt 150-jähriges Bestehen feiert. „Meine Tochter Dagmar wurde sogar im Marienkrankenhaus getauft“, sagt Urgroßmutter Lisbeth Ganske, die einst im Juni 1950 mit dem Bus zur Entbindung fuhr und in einem Vierbettzimmer untergebracht war. Und alle Frauen sagen heute einmütig: „Wir fühlten uns dort wunderbar aufgehoben.“

Seit 150 Jahren bietet das katholische Marienkrankenhaus seine medizinischen Leistungen an – in der Geburtshilfe genauso wie in der Geriatrie oder Onkologie. Das größte konfessionelle Krankenhaus in der Hansestadt mit jährlich 90.000 stationären und ambulanten Patienten, 1700 Mitarbeitern und jährlich 3200 Neugeborenen kann auf eine erfolgreiche Geschichte mit großer Tradition zurückblicken: Seit dem Gründungsjahr gelten christliche Werte wie Nächstenliebe als oberste Maxime für pflegerisches und ärztliches Handeln. Es war 1864, als Ordensschwestern des Heiligen Karl Borromäus das Marienkrankenhaus in einem Privathaus an der Langen Reihe 81 gründeten. Die Frauen gelobten, jedem Menschen, der ihrer Hilfe bedarf, mit Barmherzigkeit zu begegnen. „Dieser Leitgedanke“, sagt Werner Koch, Vorsitzender der Krankenhaus-Geschäftsführung, „prägt unser Haus bis heute.“

Besonders während der Cholera-Epidemie im Jahr 1892 leisteten Ärzte und Schwestern einen beispiellosen Einsatz. Während die Patientenzahlen in den Folgejahren weiter stiegen und das Marienkrankenhaus im Jahr 1910 zur größten Privatklinik Deutschlands wurde, arbeiteten die Ärzte mit Hochdruck an bahnbrechenden wissenschaftlichen Leistungen. Erst gelang dem Chirurgen Hermann Kümmell als einem der Ersten seines Fachs erfolgreich eine Blinddarmoperation (1889). Später entwickelte der Stationsarzt Curt Moeller die erste künstliche Niere, die auf einem Gegenstromprinzip beruhte. Und die erste erfolgreiche Dialyse an einem Patienten in Deutschland wurde 1950 ebenfalls im Hamburger Marienkrankenhaus durchgeführt.

Für werdende Mütter sind die Ärzte des Marienkrankenhauses mittlerweile die mit Abstand beliebtesten Geburtshelfer in der Stadt. Mehr noch, es ist eine der größten Geburtskliniken Deutschlands. 15 Prozent aller Neugeborenen kamen 2013 in dieser katholischen Klinik zur Welt, deren Perinatalzentrum (Versorgung von Früh- und Neugeborenen) über die höchste Versorgungsstufe (Level 1) verfügt.

Chefarzt und Privatdozent Dr. Holger Maul leitet die Geburtsklinik mit jährlich rund 3200 Geburten. „Geburtshilfe“, sagt der Arzt, der rund 2000 Babys persönlich auf die Welt geholt hat, „ist das Schönste, was man in der Medizin machen kann.“ Auch ihm sind die christlichen Werte des Marienkrankenhauses besonders wichtig. „Wir stellen uns auch die Frage, wie sich die Mütter fühlen und was ihre Bedürfnisse sind.“ Weil bereits unmittelbar nach der Geburt die Grundlagen für die weitere Entwicklung des Kindes gelegt werden, sei vor allem der Beziehungsaufbau zwischen Eltern und Kind ein entscheidender Teil der täglichen Arbeit im Team. Spezielle Angebote für Väter und Mütter sollen Wärme, Nähe und Geborgenheit für die gesamte Familie vermitteln.

Sein Kollege, Privatdozent Dr. Daniel Kopf, leitet als Chefarzt die Geriatrische Klinik mit jährlich 2600 stationären Patienten – ein weiterer medizinischer Schwerpunkt dieser Einrichtung. „Wir leisten optimale Betreuung am Lebensende. Gerade alte Menschen brauchen ein differenziertes Angebot“, sagt Chefarzt Kopf.

Stand in den Gründungsjahren der Klinik vor allem der Kampf gegen Infektionskrankheiten im Mittelpunkt, so geht es heute um mehr Lebensqualität für die Senioren. „Dabei führen wir täglich die medizinisch-technischen Möglichkeiten mit der Rehabilitation zusammen.“ Kopf ist froh darüber, dass die Patienten in dieser Lebensphase darüber hinaus kompetenten seelsorgerlichen Beistand durch die Nonnen erfahren können.